Praxis

Das war der 8. März 2015

.. eine lange, nein, eine richtig laaaange Demo, die vom Rosa-Luxemburg-Platz über den Alex rüber gen Brandenburger Tor machte – Kein Anfang und kein Ende in Sicht, so musses sein! Mit dabei waren viel Sonnenschein, gute Laune und schöne Begegnungen, viele Frauen, Lesben und Trans*menschen, solidarische Männer, und solche, die mal mehr mal weniger nervig waren (an all die „Klassenkämpferblock“-Jungs: laut gegrölt kommt nicht immer und unter allen Umständen gut an, besonders nicht, wenn kein erkennbarer Bezug zum Internationalen Frauenkampftag vorhanden ist!) ..

es ging mal wieder um’s Ganze, also die ganze Bäckerei … insbesondere:

patriarchale Verhältnisse überwinden
um die Überwindung patriarchaler Verhältnisse

my body my rights
den „Klassiker“ unter den Themen seit der 2. Welle..

my pussy my rules
Word!

sexism never on vacation
rhetorische Fragen, mehr so an uns selbst ++sigh++

feministinnen aller welt greet my sisters
internationalistische Bekenntnisse und Solidaritätsadressen

la� deine rechte nicht begrapschen
Patriarchat und Kapitalismus zusammendenken

Die Gegen-/Reaktion schlägt zurück

Auch beim diesjährigen sogenannten „Marsch für das Leben“ haben christlich-fundamentalistische Gruppen wieder Tausende Anhänger_innen mobilisieren können, um ihr verqueres Dogma einer patriarchal-heterosexistischen Gesellschaftsordnung auf die Straßen Berlins zu tragen. Tendenz seit Jahren steigend.

Doch auch der Gegenprotest wird lauter, größer, vielfältiger. Neben bekannten Aktivist_innen und feministischen, queeren und linken Bündnissen haben auch neue kreative Gruppen ihren Protest gegen Fundamentalismus und Antifeminismus zum Ausdruck gebracht, so unter anderem die Aktionsgruppe „Holi Powder statt Holy Shit“, die die Demonstration der sogenannten „Lebensschützer“ mit „Holi Powder“ bewarf. Beim hinduistischen „Holi“-Fest in Indien ist es Tradition, sich und gegenseitig mit buntem Pulver zu bewerfen als Ausdruck der Lebensfreude.

So empowernd die teilnehmerzahlenmäßige Zunahme des Gegenprotests ist, so beunruhigend ist hingegen nicht nur die bloße Teilnehmer_innenzahl dieser reaktionären Show, sondern gerade auch die Breite ihrer gesellschaftlichen Verankerung. So hat beim diesjährigen Marsch unter anderem der Chef der Berliner LSU (Lesben und Schwule in der Union), Jürgen Daenens selbstbewusst, ja freudestrahlend-kraftstrotzdend mit weißem Kreuz teilgenommen. Eigentlich doch paradox, daß ein Schwuler, dem die Organisator_innen des Marsches ob seiner sexuellen Identität sicher den unmittelbaren Weg in die „Hölle“ versprechen dürften, sich mit dieser Veranstaltung und seinen Zielen identifiziert. Satirisch-knackig dazu unter anderem das ZDF-Satiremagazin der „heute show“.

Der Fall einer Identifikation mit dem (gesellschaftlichen) Aggressor? Bloß naiv? Immerhin ging es Daenens nach eigenem Bekunden um die Vermeidung künftiger Embryonen-Selektion nach sexueller Orientierung. Doch so blöd kann nicht mal ein Unions-Funktionär sein, um anzunehmen, unbemerkt seinen misogynen (frauenverachtenden), patriarchalsexistischen Auswurf noch unter dem Label eines vermeintlich humanistisch begründeten „Lebensschutzes“ – mit dem er qua körperlich-reproduktiver biologischer Ausstattung ohnehin nichts unmittelbar zu schaffen hat – verkaufen und damit ungestraft wahlpolitisch am rechten Rand punkten zu können.

Und so ganz paradox ist die Identifikation von sexistischen Arschlöchern, die zufällig schwul sind, mit dem Antifeminismus nun auch wieder nicht, wie es ein sehr lesenswerter Kommentar von SIEGESSÄULE-Kolumnist Dirk Ludigs über den angepassten schwulen Spießer auf den Punkt bringt.

Nein, lieber Neo-Con Daenen, du bist nicht das Opfer einer Medienkampagne oder wurdest gar falsch verstanden. Du bist dir mit deiner antiemanzipatorischen Einstellung und Partei selbst das Problem!

Homosexuelle Sexisten sind genauso bigott wie homophobe Katholenpriester, die sich an kleinen Jungs vergreifen. Werdet erwachsen und stellt euch gegen patriarchale Selbstentfremdung und setzt euch für selbstbestimmte Lebens- und Liebenswelten ein!

Freundlichst,
antipa

Wiesenmeer erhalten!

Aus aktuellem Anlass – am kommenden Sonntag, den 25.05.2014 steht die Abstimmung über den Volksentscheid zu 100% Tempelhofer Feld an – ausnahmsweise mal ein bißchen Wahlwerbung für die gute Sache:

Tempelhofer Feld für ALLE – ALLES für ALLE !

Kein kapitalistisch-patriarchales – wer die Kohle hat bzw. wer die Hosen (Senat) anhat bestimmt – Durchregieren mehr gegen die Interessen der Menschen vor Ort!

Mobilisiert Freund_innen, Kolleg_innen, Genoss_innen, Bekannte und Wahlverwandte und alle Menschen, die ihr in euerem sozialen Nahfeld erreicht:

Ein JA für den Entwurf der Trägerin des Volksbegehrens – die Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld (THF100)

Ein klares NEIN (zusätzlich ankreuzen nicht vergessen!!) für den profit- und vertungsorientierten Masterplan des rot-schwarzen Berliner Senats!

Die Möglichkeiten hierzu stehen wie folgt:
Abstimmung am Sonntag in den zuständigen Wahllokalen (8:00-18:00 Uhr)
Briefwahl (da zu dieser vorab ein Antrag gestellt werden muss, fällt diese Möglichkeit unter ferner liefen angesichts des knapp bevorstehenden Wahltermins am Wochenende, außer ihr schafft es morgen noch)
Abstimmung morgen, für alle, die wissen, daß sie am Sonntag verhindert sein werden..in der zuständigen Briefwahlstelle

Das zuständige Wahllokal lässt sich in der Wahlbenachrichtigung nachlesen. Für jene, die diese verloren haben oder nicht mehr auffinden: unter berlin.de das zuständige Wahllokal ausfindig machen!

Wer noch nicht überzeugt ist von der Dringlichkeit, diese grass-roots-Initiative zu unterstützen, die_der rufe sich ihren_seinen letzten Besuch des Felds in Erinnerung oder vergegenwärtige sich, was ein Scheitern des Volksentscheids an Verlust bedeuten würde:

THF100Plakate

Gegen die kapitalistische Verwertungslogik der Berliner „Stadtentwicklung“!

8. März Berlin

ziemlich schickes Teil: das Mobi-Video zur diesjährigen 8. März-Demo (Bln)

EUweit: jede 3. Frau von Gewalt betroffen (-> Studie)

Jetzt ist die Katze ganz offiziell aus dem Sack – jede 3. Frau in der EU war ein- oder mehrmals bzw. ist aktuell von Gewalt (durch Männer) betroffen. Dies enthüllt die bislang erste in diesem Umfang durchgeführte Erhebung durch die EU-Grundrechtsagentur. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung in allen (!) 28 Mitgliedsstaaten.

Die Ergebnisse der Studie in Gänze (pdf; engl.) kurz verlinkt: Violence against women: an EU-wide survey

Frauenkampftag international – Saudi-Arabien und seine mutigen Feministinnen

Pünktlich zum 8. März haben zehn feministische Aktivistinnen in Saudi-Arabien eine Petition unterzeichnet und dem Schura-Rat, welches den saudischen König und uneingeschränkten Herrscher „beratend“ zur Seite steht, übergeben. Darin gefordert: die Einschränkung (die Abschaffung wäre wohl eine Nummer zu groß bzw. nicht besonders aussichtsreich gewesen für die Fraueninitiative und ihre Aktivistinnen) der absoluten Herrschaft des Mannes (Vater, Bruder, Onkel, Ehemann) über „seine“ Mädchen und Frauen. Hintergrund: In Saudi-Arabien gilt bis zur Heirat die Vormundschaft des männlichen Familienoberhaupts, bzw. dessen Vertreters. Nach der Heirat nicht viel besser: Rechte und Pflichten gehen auf den Ehemann über. Ohne die Erlaubnis eines männlichen Vormundes darf frau weder arbeitern, noch einen Pass beantragen, das Land verlassen oder einen ärztlichen Eingriff vornehmen lassen. Die Frau entkommt ihrer Rolle als „Unmündige“ zeit ihres Lebens nicht – der Horror eines immer noch real existierenden, absoluten Patriarchats.

Welche Auswirkungen und fatalen Konsequenzen dieses System der Genderapartheid auf Frauen, ihre Gesundheit und ihr Leben (bzw. ihren Tod) hat, zeigte u.a. der letzte Todesfall einer Studentin auf dem Campus – männliche Ersthelfer wurden am Zugang zur Herzinfarktpatientin gehindert (vgl. Blogeintrag mit Links vom 8.2.). Sie war nicht verschleiert.

Solidarität mit den Aktivistinnen in Saudi-Arabien und weltweit !

Imagine.. part2: Oppressed Majority

Noch so eine Filmperle feministischer Bewusstmachungspolitiken: Auch in Majoritée Opprimée (Oppressed Majority/ dt.: Unterdrückte Mehrheit) der französischen Filmemacherin Eléonore Pourriat findet das Prinzip der Spiegelung gesellschaftlicher Verhältnisse Anwendung.

Doch nicht „das Matriarchat grabscht zurück“, etwa in Form wildgewordener Frauenhorden, wie es ein liberales Besserverdiener- und Lebemann-Blatt süffisant in seinem sensationsheischenden Titel verspricht: es ist das Patriarchat, das hier in seiner ganzen Gewalttätigkeit vor Augen und in seiner grundlegenden Konstitution vorgeführt wird als ein a-soziales System für die Hälfte der Bevölkerung, und das in der Tat 24/7.
[ Nebenbei bemerkt: die Verlinkung mit dem Video via DIE ZEIT erfolgt hier schlicht und ergreifend auch nur aufgrund der Tatsache, daß das Video auf youtube geblockt ist, jugendgefährdend sei es! („Melde dich an, um dein Alter zu bestätigen :/ “) – spricht doch für sich, wo Jugendliche ansonsten den ganzen lieben langen Tag sexistische Kackscheiße googlen und youtube-streamen können.. ]

Von patriarchal imaginierten „Matriarchaten“

Mal ganz grundsätzlich: Würden wir in einem tatsächlichen Matriarchat leben – es hätte nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem gefakten Ausschnitt eines durchschnittlichen Typen in seinem durchschnittlichen Alltag zu tun, der uns hier so schön exemplarisch vor Augen geführt wird. „Pierre“ kämpft sich durch die Straße auf dem Weg zur Kita / zum Kindergarten, wird vollgelullt, angelallt, angemacht, angepöbelt, belästigt, begrabscht, und letztlich noch vergewaltigt. Als wäre diese Banalität des tagtäglichen Sexismus nicht schon schlimm genug muß der arme Typ zu guter Letzt auch noch von der obligatorischen Polizeibeamtin im Verhör gedemütigt und bloßgestellt werden – Stichwort Vergewaltigungsmythen („sie hat mit ihrem aufreizendem Auftreten dazu verführt“/victim blaming). Ist er nicht (zumindest mit/)selbst schuld, wenn er so aufreizend in der Öffentlichkeit unterwegs ist??

Für eine ‚Petra‘ gälte das allemal. Schließlich ist im Patriarchat immer die Frau schuld an allen Widrigkeiten des Lebens, die sie ihrer bloßen verführerischen Existenz und körperlichen Anwesenheit in Raum und Zeit als ein geschlechtliches Wesen verdankt, sollte die strukturelle Gewalt sich für den Moment gegen sie ganz individuell Bahn brechen. So weit, so einsichtig. Mir jedenfalls, die ich mir den ganzen Tag die Welt so reinziehen muß, ob ich will oder nicht.

Wenig Empathie hingegen zeigt an dieser Stelle mal wieder der vielzitierte „neue“, „junge“, poppige Pop-“Feminismus“, verkörpert durch bloggende freiZEITfeministische Existenzen, die in ihrem Habitus eine geradezu hyperliberale, trend-(„pop-“)affine Lebensart zelebrieren – nicht unähnlich ihren patriarchal geprägten und selbstentfremdeten, chauvinistischen Pendants des vorgenannten Lebemannwochenmagazins. Das Tolle daran: man kann alles kritisieren, dabei hipp und unkompliziert (für das Patriarchat) sein – und sich zugleich noch als extremst politisch ausgeben.

„Es berührt mich nicht“

So erklärt MISSY Katrin Gottschalk daß sie sich das Video zwar wohl ansah – aber sich doch so „gar nichts“ bei ihr „regte“. Keine Aufregung, keine Erregung, keine Freude (ob der gelungenen Spiegelung sexistischer Kackscheiße etwa), keine Wut (ob der erfahrenen eigenen Diskriminierungen, Anfeindungen, An- oder Übergriffe?), keine Trauer, kein Mut (einzugestehen, daß es gut tut, sich die Wirklichkeit nur für den Moment mal andersherum vorzustellen). Wirklich nicht(s)? Gar nichts?

Könnte es sein, daß ein Zuviel an abstrakten genderqueertheoretischem Uni-Seminar-Geschwurbel in diese absolute Gefühlstotheit mündet? Immerhin verstehen sich die MISSYs ja doch als eine Art Vorhut einer neuen, superreflektierten feministischen Avantgarde. Die Judith Butlers „queerfeministischen“ Antifeminismus schon mit der Mutter-, nein: Menschenmilch, aufgesaugt haben. (…)

8. März – Vaginale – und so einiges los

Der 8. März – der internationale Frauenkampftag – steht schon in Kürze an. Zeit, sich Gedanken zu machen, wo mensch als F_L_T_I*-Person mit weiblichem Erfahrungshintergrund struktureller Diskriminierung entgegentreten will.

Ein hübsches Programm findet ihr auf frauenkampftag2014.wordpress.com

Nebenbei entdeckt: welcher die Berlinale zu boring ist, die kann sich ja aufmachen zur Vaginale ..

Der März kann kommen – still lovin`feminism yeah yeah yeah!!

Imagine..

Spieglein, Spieglein an der (Lein-)Wand.. welcome to GenderFuckLand !! :-P

.. kein Kommentar – Jacky au Royaume des filles (Riad Sattouf) spricht für sich ..

Feine Sache: Archivierung von Bewegungsmaterial

frauenlesbenplakate stellt auf flickr ’ne Plattform, auf der Plakate, Flyer und andere frauenbewegte feministische Sahnestückchen unserer Geschichte online archiviert und publiziert werden.

Feine Sache das!
Und soo wichtig für das kollektiv-feministische Gedächtnis.. -> Weitersagen!