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Jahrestag der Trauer und Wut

Seit gut einem Jahr sind die im Nordosten Nigerias von der islamistischen Terrormiliz verschleppten Schülerinnen verschwunden. Bis heute gibt es keine Spur, der Aufenthaltsort ist unklar, wie auch der neue Präsident Nigerias, Muhammadu Buhari, eingestehen musste. Klar scheint hingegen, daß ein Großteil der über 200 Mädchen vergewaltigt und zwangsverheiratet wurde sowie als sexuell ausgebeutete Sklavinnen der Boko-Haram-Milizionäre gehalten wird.
Die Vereinten Nationen stellen in ihrem aktuellen Bericht über den Einsatz sexueller Gewalt in Konflikten heraus, dass die Kriegstaktik islamistischer Kämpfer von Nigeria („Boko Haram“), über Somalia („al-Shaabab“) bis Syrien und Irak („ISIL“/“ISIS“ oder mittlerweile „IS“ – „Islamischer Staat“), sexualisierte Gewalt wie Entführung, Vergewaltigung, Zwangsverheiratung (=Vergewaltigung auf Dauer) und Frauenhandel/Zwangsprostitution („Sexsklavinnen“) quasi zum ‚Standardrepertoire‘ gehört, um die lokale Bevölkerung einzuschüchten und zu vertreiben.

In an interview with the UN News Centre, the envoy previewed the findings of the report, which also highlights the crimes committed by non-State actors such as the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL), Boko Haram and Al-Shaabab, including abducting, raping, and selling into slavery women and girls. These groups are also using sexual violence as a method to forcefully displace large numbers of people (…)

Zainab Hawa Bangura, Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in Konflikten, im Interview mit dem UN News Centre:

UN News Centre: And what are some of the trends you found this year? What’s new in the findings?

Zainab Hawa Bangura: The first and most important and difficult trend that we have experienced is that sexual violence is being used as a tactic of terror and this is because of the rise of extremists and terrorist groups. They move across countries, and are transnational and trans-regional in nature. This is very challenging for us to address. We’ve seen it in Mali. We’ve seen it in Nigeria with Boko Haram. We’ve seen it Somalia with Al-Shabaab and now in Yemen, Syria, and of course in Iraq.

[Quelle: http://www.un.org/apps/news/newsmakers.asp?NewsID=119]

Auch der jüngste Bericht von Amnesty International zur Situation von Mädchen und Frauen erzählt exemplarisch die Leidensgeschichte von rund 2.000 Mädchen und Frauen, die mittlerweile von islamistischen Fanatikern der Boko-Haram entführt, zumeist (gruppen-)vergewaltigt, zwangsverheiratet, aber auch zum Kämpfen gezwungen wurden.
[Quelle: https://www.amnesty.org/en/articles/blogs/2015/04/chibok-one-year-on-a-day-to-remember-all-boko-haram-s-victims/]

Und es ist kein Ende in Sicht.

Bezugnehmend auf manch zeitgenössische ‚linke‘ Sprachdebatte darüber, ob die Verwendung der – mittlerweile tatsächlich vielfach praktizierte – Rede von der Barbarei des weltweiten Islamismus von Mali bis Irak durch westliche Betrachter denn nicht typisch kolonialrassistisch sei, lautet die Antwort eindeutig: NEIN
„Barbarei“ in diesem Sinne verwendet bezeichnet einen Modus, ist die pointierte Bezeichnung für eine zutiefst reaktionäre, menschenverachtende Praxis, der universal – historisch, geographisch und in diversen kulturellen Kontexten – am Werk war und ist.

Was nun den islamistischen Terror diverser Milizionäre gegen Zivilist_innen angeht:

Islamisten – ob von al-Quaida(im Maghreb, Jemen oder sonstwo), „Islamischer Staat“, Boko Haram, al-Shaabab, scheißegal – sind Vergewaltiger. Das jahrelang wohlfeil in den Islamistenbart gegreinte Leid darüber, daß Assad „unsere Frauen und Kinder“ tötet, entpuppt sich nach mittlerweile vier Jahren post Arabischer Frühling als projektives Ventil, das dazu legimitieren soll, endlich selbst völlig ungehemmt gegen „die Ungläubigen“ schießen, vergewaltigen, morden und plündern zu dürfen. Islamisten sind Vergewaltiger, sind frauenverachtende geistig impotente Schwachmaten . Islamisten sind homophobe Arschlöcher und antisemitische Arschgeigen. Islamisten sind bigotte Moralapostel, die Vergewaltigung, Mord und Krieg nur solange hassen, solange sie nicht die Regeln bestimmen können, wann wo vergewaltigt, gemordet oder gegen wen Krieg geführt wird. Islamisten zerstören alles an Kultur, was ihrer primitiven Weltsicht und projektiven Weltwahrnehmung von schwarz-weiß/gut-böse entgeht, was der eigenen pervertierten Version von der allerallerreinsten Lehre widerspricht (siehe neuester ‚Fall‘: Auslösung des Menschheitsweltkulturerbes Nimrud). Vergleiche: Kommando Bücher verbrennen der deutschen Faschisten in der NS-Zeit.

Islamisten sind postmoderne Barbaren, da sie an die ursprünglichste Form der Barbarei – das Brandschatzen, Plündern, Vergewaltigen und Versklaven – anschließen und diese in der Jetztzeit praktizieren. Islamistische Milizen sind angelehnt an das, was sie praktizieren – ficken-schießen-vernichten-ficken-schießen-.. – gemäß der historischen ‚Tradition‘, die sie verkörpern indem sie sich in diese einreihen, zu bezeichnen als das, was sie dadurch sind: primitive Männerhorden im Modus patriarchaler Barbarei. Islamisten sind Faschisten.

Wenn religiöse Führer Klartext reden

.. ist das so herrlich aufklärend, weil es ihre Denke, insbesondere ihre menschenverachtende, misogyne (frauenverachtende) Ideologie so schön entlarvt.
Auf der Rückreise seiner Asien-Tour, erklärte Papst Franziskus, dass die Menschen sich nicht „wie die Kaninchen“ verhalten müssten, um „gute Katholiken“ zu sein. Gemeint war: nicht vermehren wie die Karnickel! Damit hat sich das „geistliche Oberhaupt“ der römisch-katholischen Sekte als Heuchler erster Klasse zu erkennen gegeben. Denn galt bislang die vatikanisch verordnete Doktrin, daß jede Schwangerschaft als ein „Geschenk Gottes“ anzunehmen sei – ob es sich dabei um Vergewaltigung oder den Abstieg ins soziale Elend handelte war noch nicht einmal zweitrangig relevant – und ergo Verhütung, Abtreibung und insbesondere die körperliche Selbstbestimmung der Frau wider die Natur seien, so schickt sich das Oberhaupt der katholischen Schäfchen nun dazu an, eine „individuelle Verantwortung“ zu predigen. Freilich trifft es wieder einmal insbesondere die Frauen doppelt hart. Denn wenn sich die Menschen schon wie die Karnickel vermehren, ist das letztlich doch Versagen der weiblichen Spezies (Bericht ARD tagesschau):

„Ich habe vor ein paar Monaten in einer Kirchengemeinde eine Frau gescholten, die mit dem achten Kind schwanger war. Sie hatte schon sieben, die per Kaiserschnitt geboren waren.“ Er habe die Frau gefragt, ob sie sieben Kinder zu Waisen machen wolle. „Das heißt, Gott herauszufordern. Das ist unverantwortlich“, so Franziskus. „Nein“, habe die Frau erwidert, sie vertraue auf Gott. Und der Papst erwiderte nach eigenen Angaben: „Schau, Gott gibt Dir die Mittel, aber Du musst verantwortlich sein.“

Galt die Frau an sich schon immer als sündige Verführerin, war doch ihre gerechte Strafe stets die, „unter Schmerzen“, wie es das Alte Testament schon vorsieht, zu gebären. Und zwar grenzenlos. Gemäß guter alter Kirchentradition hat sich die Frau dem Verlangen des Mannes zu beugen, das „Ganze“ über sich ergehen zu lassen. Denn ihr ist die Erbsünde – wie die „Wonne“ der Mutterschaft gleichermaßen, ob auferzwungen oder nicht. Verhütung dagegen galt bislang als pures Teufelszeug.

Scheint, daß die sozialen Verhältnisse, in denen Kinder aufzuwachsen gezwungen sind, insbesondere auf den Philipinen, wo sich sozial erzeugtes Leid und individuelles Elend so unmittelbar manifestieren, den Papst zu einer, wenngleich beschränkten, Einsicht verholfen haben. Armut und Kinderprostitution gehören zum Straßenbild. Unendlich viele Kinder in die Welt, in eine ungesicherte Existenz zu schmeißen muss also nicht unbedingt katholisch sein. Das ist in der Tat neu.

Wieviele Frauen werden wohl freiwillig achtmal schwanger? Eben. Gemäß guter patriarchaler Tradition gemäß gilt es nun allerdings nicht Mißstände, die körperliche und reproduktive Selbstbestimmung betreffend, anzuprangern, sondern das Opfer der systemisch propagierten Gewalt gegen die Selbstbestimmung nun aber obendrein noch mit Schuld zu beladen. Der Oberhirte „scholt“ die gezeichnete Frau also – und empörte sich obendrein ihrer „Verantwortungslosigkeit“: Wie könne sie auch ob der achten Risikoschwangerschaft (alle vorherigen per Kaiserschnitt entbunden) so verantworungslos sein, ihre sieben bisherigen Kinder durch die erneute Schwangerschaft dem Fanal des Waisen-Seins auszusetzen?! Einmal mehr zeigt die „christliche“ Tradition hier in ihrer Art, Frauen als Untermenschen mit defizitärem Moralbewusstein auszuweisen, ihr wahres Gesicht: Du bist die wilde Natur, ein Gefäß, eine bloße Gebär- und Versorgemutter – für die patriarchale Horde.

Und so bedient einmal mehr ein bekannter Mechanismus, der misogyne Totalausfall, Ressentiments gegen Frauen. Hatten diese bislang ihr „Schicksal“ still zu ertragen, so werden sie nun vor den Kadi der römisch-katholischen Scheinheiligkeit und Weltfremdheit gezogen, ihre gottlos-selbstsüchtige Verantwortungslosigkeit (denn klassisch: Sex = Schangerschaft) anklagend. Freilich schwingt darin einmal mehr die sexistische Konnotation von Frauen als sexuell-abartig (tierisch -> „Kaninchen“) und verderblich („verantwortungslos“/“unmoralisch“) mit. Dazu kommt die rassistische Konnotation: Ein weißer Papst wendet sich angewidert von „asiatischen“ Verhältnissen ab. Dabei sind Leid und Elend, insbesondere auch das zwangsreproduktive Elend von Frauen weltweit, zuallerst patriarchaler Gewaltkulturen, wie sie die christlich-katholische eine ist, geschuldet.

Wenn schon Fragen wie die nach der moralischen „Schuld“ aufgeworfen werden, so hätte gerade der misogyne Altherrenclub in Rom die Pflicht, sich selbst zu martern und/oder aufzulösen – oder für immer zu schweigen!

Was nun „die Mittel“ zur Verhütung seien, das freilich ließ der Oberhirte offen. Zuviel Aufkärung muß nun wirklich auch nicht sein. Nicht daß die Schäfchen, die den verbalen Ergüssen seiner Hochheiligkeiten noch Ehrerbietung erweisen, letztlich Gefallen finden an reproduktionsentkoppelter und damit im modernen Sinne freier (Hetero-) Sexualität finden! Der Untergang der knapp zweitausendjährigen Tradition der Abendlandautoritäten drohte..

… morden mit in aller Welt..

Tjaja – „deutsche Waffen, deutsches Geld..!“, der Spruch ist bekannt.
Und gemäß dem gestern offiziell vom Bundeskabinett verabschiedeten Rüstungsexportbericht des Jahres 2013 (für das Vorjahr 2012) geschieht dies in einem Umfang von sagenhaften 5,8 Mrd. Euro. Die Rekordsumme für die Exportgenehmigung von Gütern für die globale Tötungsmaschinerie bedeutet gegenüber dem Vorjahr (2011: 4,7 Mrd. Euro) des Berichts sogar noch einen Anstieg um 1,1 Mrd. Euro.

5,8 Mrd., die nicht nur hätten sinnvoller für Bildung, Soziales und Infrastruktur eingesetzt werden können. Darüber hinaus galt es auch wieder einmal gute deutsche Tradition zu pflegen und jenseits allen Menschenrechts- und Geschlechtergerechtigkeitspalavers in Parlament und Politik dem Primat der Wirtschaft und insbesondere dem traditionell patriarchalen unter den kapitalistischen Produktionssektoren – der Rüstungsindustrie – den Weg von im Beamtendeutsch so bezeichneten „nicht-tarifären Handelshemmnissen“ frei zu machen. Rüstungsgüter müssen für den Export genehmigt werden – eine reine Formsache gegenüber allen menschenrechtlichen und sicherheitspolitisch nachhaltige Überlegungen. Zwei Drittel (!) der Rüstungsexporte gingen in sogenannte Drittstaaten außerhalb von EU/NATO. Das bedeutet regelmäßig: in instabile, Kriegs- und Krisen-Regionen (v.a. in Nahost) und in zutiefst menschenverachtende Diktaturen und autokratische Regime, was der Bericht immerhin nicht einmal zu verschleiern versucht.

Die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen unterscheidet nach Einzel- und Sammelgenehmigungen. So heißt es u.a. im Abschnitt III (Genehmigungen zur Ausfuhr von Rüstungsgütern sowie Kriegswaffenausfuhren) 1 d) des Berichts zu den „20 wichtigsten Bestimmungsländer für erteilte Einzelgenehmigungen“:

Die Rangfolge verändert sich von Jahr zu Jahr. 2012 waren die zehn größten Empfänger: Saudi-Arabien, USA, Algerien, Vereinigtes Königreich, Kanada, Frankreich, Schweiz, Korea (Rep.), Singapur und Vereinigte Arabische Emirate.
[Hervorhebungen v. d. Verf.]

Zu den Abnehmerländern deutschen Traditionshandwerks aus Stahlmanufakturen wie beispielsweise der Rheinmetall AG – den meisten als Automobilzulieferer und Maschinenbauer wohl eher bekannt als unter seinem expandierendem Geschäftszweig der Rüstungsproduktion – gehört so an prominenter Stelle also so eine illustre Kundschaft wie beispielsweise Saudi-Arabien. Dieses klerikal-faschistische Regime zeichnet verantwortlich für die (bloß mehr finanzielle?) Ausstattung islamistischer Gotteskrieger für den Einsatz im regional benachbarten Ausland (Syrien, Irak, Afghanistan, und der al-Kaida im Maghreb) sowie in- und ausländische (Katar 2011) Aufstandniederschlagung friedlicher Proteste und verantwortet die Konstitution und Aufrechterhaltung eines Gesellschaftssystems der absoluten Geschlechterappartheid und massiven Frauenunterdrückung. Klar, dass man dort Waffen gut gebrauchen kann.

Ach, was soll dieser Zynismus!? Immerhin bedeutete eine Regulierung oder gar De-Industrialisierung im Rüstungssektor doch einen massiven Arbeitsplatzverlust. Bitte? Wenn das alles ist: Die paar Hanseln, die dort (noch) arbeiten müssen um ihr Auskommen zu gewährleisten wären vielleicht gar nicht soo unglücklich, würde man ihnen entsprechend Arbeitsplätze umschichten in den Care-Sektor. Hier nämlich fehlen Kita-Betreuer_innen, Grundschullehrer_innen, Ärzt_innen, Gesundheits- und Pflegekräfte. Allemal prestigeträchtigere Beschäftigungen, denn sie dienen nicht der Vernichtung menschlicher Existenz sondern tragen mit gutem Gewissen zum Fortbestand der Zivilgesellschaft bei.

Aber das geht doch nicht? Und außerdem: das war doch die andere, die alte (schwarz-gelbe) Bundesregierung, die für so einen menschenrechtswidrigen Gewähr-Stil verantwortlich ist, echt jetzt! Sigmar Gabriel (SPD) verweigert entsprechend die Präsentation des Berichts der Vorgängerregierung und Parteigenosse Rainer Arnold versichert rührig, die jetzige Bundesregierung werde „sich entsprechend dem Koalitionsvertrag restriktiver verhalten beim Export von Rüstungsgütern in Drittstaaten“. Noch restriktiver also. Bloß – Papier ist geduldig. So zieht sich die Betonung einer „restriktiven“ Handhabung und Gewährleistungspolitik für Rüstungsexporte wie ein Rattenschwanz schon ungezählte Male im ca. 2-seitigen Turnus durch das bisherige Dokument (vgl. Eigenversuch: strg+f -> „restriktiv“-Eingabe, Return) und auch die aktuelle Regierung verspricht beispielsweise explizit:

Die Bundesregierung wird auch in Zukunft Kleinwaffenexporte in Entwicklungsländer besonders restriktiv handhaben.

(S. 28)

Scheiß auf Kleinwaffen! Was der deutsche Exportweltmeister braucht sind ohnehin prestigeträchtige Exporte von Leopard-2-Panzern und anderem schweren Gerät!
Ganz in der patriarchalen Ficken- und Schießen-Logik ist Mann und Nation nur da und in voller Pracht, wo es peng-peng macht. Verunsicherung pur in der Rüstungsindustrie und beim Koalitionspartner CDU/CSU. So greint auch letztere in Person eines Roderich Kiesewetter gleich ins Mic der Tagesschau-Reporter_in, dass

die Konsequenzen für die Industrie [die ganze??] wäre, dass viele internationale Ausschreibungen ohne deutsche Beteiligung erfolgen würden und letztlich die deutsche Rüstungsindustrie keine Perspektive mehr in Deutschland hätte

Mann stelle sich das vor! Keine Panzer, keine Raketen, kein bumm-bumm, knattattatta mehr! Nie wieder Restriktion – oder wer will dafür verantwortlich zeichnen, wenn der Deutsche Michel im internationalen Schwanzvergleich des Rüstungs- und Militärschauens recht kastriert den Kürzeren zieht? Eben.

Neues aus Saudi-Absurd_ist:an

Was die frauenverachtende, patriarchal motivierte Geschlechter-Appartheid in letzter Konsequenz bedeutet, veranschaulicht auf tragische Weise jüngst der Todesfall einer Studentin an einer saudiarabischen Universität, die einem Herzinfarkt erlag. Nicht, daß die Behandlung eines Herzinfarkts eine übergroße medizintechnische Herausforderung darstellte im hochtechnologisierten, reichsten Wüstenstaat der Welt. Nein, die Gründe für diese Tragödie sind viel banaler. Eine junge Frau musste an der bigotten Borniertheit eines puritanistischen Gesellschaftssystems sterben: die (männlichen) Rettungskräfte hatten alleine aufgrund des Geschlechts der Patientin, die zum Zeitpunkt des Infarkts – wie konnte sie auch so nachlässig sein?! – unverschleiert war, keinen Zugang zu ihr.

Tja, es darf eben kein Mann einer Frau je zu nahe kommen im wahabbitischen Werte- und Moralsystem – und sei es eine Frage auf Leben und Tod. Gesetz ist Gesetz – und „Moral“ alles. Die gleiche heuchlerische Sexual“moral“ hatte übrigens schon 2002 15 Kindern – halt: „bloß Mädchen“ – das Leben gekostest. Auch hier der „Grund“: die Mächen in einer brennenden Schule waren nicht „züchtig“ genug gekleidet, um das brennende Gebäude verlassen zu können. Sprich, sie trugen nicht die verordnete schwarze „Abbaya“ – den schwarzen Ganzkörperschleier. So kann frau eben nicht aus den Flammen gerettet werden, ist doch klar. Die patriarchale Männerhorde könnte doch sogleich über die Geretteten herfallen.. Oder?

Eben. Um derartigen Versuchungen von vornherein Einhalt zu gebieten hat ein saudischer „Gelehrter“ gleich die richtige Antwort parat: bereits 2(!)-Jährige sollten sich züchtig kleiden. Hijab or death, that is the question! Man(n) weiß ja nie.. Die Versuchung lauert eben überall im Wüstenstaat der klerikalen Genderfaschisten. Hört und sieht alles: die Mutawwa..

Aus der Reihe Heldinnen gegen patriarchale Gewaltherrschaft: Phoolan Devi

Daß Widerstand gegen die patriarchale Gewaltherrschaft und sexualisierte Gewalt nicht nur mit „friedlichen“ Mitteln erfolgreich zu führen ist veranschaulicht das Leben der indischen „Kämpferin gegen Männergewalt“, Phoolan Devi.

Wer keine Wahl hat, hat die Qual!

Präsidentschaftswahlen in Iran. Lachen oder Weinen? Irgendwie doch beides.
Der Wächterrat der ‚Islamischen Republik Iran‘ hat eine „Vorauswahl“ der zugelassenen Kandidaten (_innen gibt es ja bekanntlichermaßen nicht) getroffen, und legte den Wähler_innen heute nun diese zur Abstimmung vor. Sechs Kandidaten blieben also zur „Wahl“. Ein religiös-Konservativer oder ein religiös-Konservativer? Oder ein religiös-Fanatischer – darfs ein bißchen mehr sein? Demokratische Vielfalt im Land der Mullahs. Religiös-konservativ mit neo-persischen Großmachtträumen (Ahmadinedjad) gabs schon im Angebot. Nun ist also nach zwei Regierungsperioden wieder Zeit für ’s Wählen. Für die weiblichen Wählerinnen ohnehin die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wo ein verknöcherter patriarchaler Staatsapparat sexualitäts- und frauenfeindlicher, alter bärtiger Greise noch die kleinsten Bewegungen und Kleidungsdetails seiner Bürgerinnen diktieren darf, ist die Wahl, keine Wahl zu haben, dann auch schon wieder irgendwie normal.

Die jungeWelt – dem Selbstverständnis nach revolutionär und stets gegen Herrschaft, Staat und Kapital, naja, außer es geht gegen Iran, Rußland, China oder Syrien – ficht das nicht an. Sie freut sich vielmehr mit den Iraner_innen, daß diese „ihren“ neuen Präsidenten wählen dürfen und berichtet ganz unbefangen neutral über Prognosen (Wahlbeteiligung unter 70 Prozent zu erwarten „und damit deutlich hinter der 85prozentigen Wahlbeteiligung des Jahres 2009″ – oha!) und Kandiaten (die Auswahl sei „diesmal enger begrenzt“ Diesmal??), als handele es sich um vergleichbar parlamentarische Demokratien wie in Westeuropa, wo zwar die Grundkonstanten Kapitalismus und Patriarchat feststehen, immerhin aber doch formal freie Wahlen der Ausgestaltung dieser Verhältnisse exisitieren. Und Parteien ganz selbstverständlich eben auch Kandidatinnen(!) zur Wahl stellen.
Zurück zur jW-“Analyse“: Wahlbeteiligungen von 85 Prozent? Das gibts sonst nur in .. achja, Diktaturen! Doch hierzu besser kein Wort. Psst. Iran ist immerhin die Bastion gegen den westlichen Imperalismus, da drücken wir bei Staat, Herrschaft, Kapital, und – boring! – Menschenrechten (für die Frau etwa?!) ruhig mal beide Augen zu und lassen fünf gerade sein.

Kritischer, wenn wundert´s, ist da die Jungle World. Hier wird die gesellschaftliche und politische Situation im Land wohl etwas realitätsnäher und dazu systemkritisch ausführlich skizziert , wie sie sogar für Nicht-Anti-Deutschen nachvollziehbar sein dürfte. Erfrischend: die Dinge werden beim Namen genannt – ein klerikal-faschistoides Regime ist nun mal eine Diktatur, und kein Ponyhof des revolutionären Antiimperialismus, den sich manche Linke in ihrer Vorstellung von Iran so halluzinieren. Wo Parallel-Armeen bzw. paramiliärische Einheiten (die Bassij-Milizen, die die Interessen der klerikalen Kaste wie der iranischen Bourgeoisie verteidigen) sowie misogyne und homophobe Tugendwächter Terror nach innen verbreiten, kann von Wahlen keine Rede sein.

Für die ‚Subalternen‘ der patriarchal-faschistoiden Republik Iran – Frauen, Homosexuelle, die nicht-besitzende Klasse – bleibt alles ohnehin weiter beim Alten. Sie haben keine Wahl in diesem System ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, aber die Qual, in diesem System einigermaßen physisch und psychisch unbeschadet zu überleben.

Wie auch immer die „Wahl“ ausgehen wird – Solidarität mit den emanzipativen oppositionellen Kräften in Iran, auf daß die „Islamische Republik“ eines schönen Tages von innen(!) gestürzt wird!

Nun reißt Vati bald aber mal der Geduldsfaden!

Zu Erdogans patriarchal-autoritärem Regierungsstil (nicht nur) während der Proteste auf dem Taksim-Platz/Istanbul

Nach einer mittlerweile zweiwöchigen und das gesamte Land umfassenden Protestwelle gegen den autoritären, konservativ-religiösen Regierungsstil des regierenden türkischen Ministerpräsidenten droht dieser nun unverhohlen Schluß zu machen mit dem basisdemokratischen Gedöhns vor seiner eigenen Haustüre. Der Mann, der für eine repressive Politik, revisionistische osmanische Großmachtträume und einer konsequenten Re-Islamisierung der per Konstitution eigentlich super-säkularisierten Türkischen Republik steht, tönte heute ein mal mehr oberlehrerhaft vor versammelten Mitgliedern seiner bürgerlich/neo-islamischen AKP-Partei – das türkische Pendant quasi zur christdemokratischen/-sozialen Union in der BRD – dem Treiben gegen Umweltzerstörung, für Selbstbestimmung, Bürgerrechte und Demokratie ein Ende zu setzen. Wenn’s denn nun sein muß, vermittels brachialer Polizeigewalt; Räumfahrzeuge, Wasserwerfer und ganze Garden an Uniformierten stehen einsatzbereit vor Ort, bereit, erneut mit massiver Gewalt gegen die eigenen Bürger_innen vorzugehen.

Bisher haben wir unsere Geduld bewahrt, aber nun sind wir am Ende unserer Geduld. Ich warne ein letztes mal und appeliere an Mütter und Väter [sic!], ihre Kinder dort zu entfernen. Die Kinder [sic!] müssen weg!

Die Wortwahl – zumindest so denn adäquat übersetzt(!?) – zeigt einmal mehr das Grundverständnis von Gesellschaft, das Recep Tayyip Erdogan mit den Cons und Neo-Cons dieser Welt teilt: Vati entscheidet, die Untertanen (Kinder, Frauen – ‚das Volk‘) haben zu schweigen und gehorchen. Auch wenn die Anordnungen noch so willkürlich wie sinnlos erscheinen. Widerspruch, Kritik oder gar Aufbegehren, Barrikaden errichten und ‚Chaos verbreiten‘ – jenseits dessen, was sich Vertreter_innen der Repression vorstellen können!
Als handele es sich um unmündige, aufmüpfige Kinder, die Vatis Geduld ‚allmählich‘ (nach mehreren brutalen Räumungen mit einer Vielzahl Verletzten und mehreren Toten!) überspannt hätten, weist der oberste Führer des Landes diese zurecht. Die Gleichsetzung mit unmündigen Kindern, bei überwiegend kritischen, jungen und älteren Erwachsenen, soll die Demonstrant_innen ins Lächerliche ziehen und ihre Interessenswahrnehmung moralisch in den Bereich der Unverschämtheiten gegen Autoritäten stellen, gleichsam deligitimieren. Wo aufgemuckt wird, gibts nach guter alter Tradition der sog. Schwarzen Pädagogik eben ‚Backpfeifen‘ – bzw. rollen die Wasserwerfer, fliegen Knüppel und Tränengaskartuschen in die Menge.

Die Bilder von den Protestierenden sprechen allerdings eine deutliche Sprache. Wut und Zorn richten sich offenbar nicht länger nur gegen Zerstörung eines Parks für alle, sondern gegen die allen Konservativen eigene Selbstgefälligkeit und Borniertheit gegenüber allem, was in der Moderne zum Begriff der Demokratie dazugehört (Meinungs- und Versammlungsfreiheit), gegen eine schon länger andauernde, bislang recht unterschwellig verlaufende Re-Islamisierung des Landes. So scheint es durch bzw. wird es auch von den säkularen Bürger_innen – den eigentlichen ‚Kindern‘ der Republik, um das repressive Bild im Zitat von Erdogan zu korrigieren, immer wieder betont.

Diese Tendenz der gleichsam offenen Re-Patriarchalisierung von Republik und Gesellschaft deutet sich schon länger an. Waren in der militär-verwalteten Demokratie der Türkischen Republik die Repression gegen Kopftücher an Universitäten und Schulen an der Tagesordnung (zumindest konnte das von Religiösen dergestalt interpretiert bzw. empfunden werden), rollt nun die Repression in Form eines kulturell-geistigen, religiös-verbrämten Backlash samt Kopftuch an Universitäten, Schulen und überhaupt das öffentliche Leben in der Türkei gegen Moderne im Sinne von Selbst- und Mitbestimmung, freien Umgangs zwischen den Geschlechtern etc.

Wo noch vor einigen Jahren manche wohlmeinenden, gegenüber kulturell-religiösen Kommunitarismen offenen westlichen Linken den vermeintlich repressiven (weil staatlichen) Backlash primär in den undemokratischen Strukturen (die sie zweifellos waren!) militärisch verwalteter Staaten wie Ägpten und der Türkei ausmachten, zeichnete sich für alle, die genauer hinsahen bereits langsam ab, daß die vermeintlich oppositionellen Kräfte – wie die bis dato unterdrückten Islamisten der AKP bzw. ihrer Vorläufer in der Türkei oder die Muslimbrüder in Ägypten – nicht weniger repressiv wären, wären sie erst einmal formell auch an der Macht; wo sie mittlerweile ja auch angekommen sind.

Und so kommt es denn auch tatsächlich wie zu befürchten stand. Kaum waren nach dem sog. Arabischen Frühling die reaktionären Kräfte der vermeintlich „gemäßigten“ Muslimbrüder in Ägpten oder der Ennahda (Partei der Wiedererneuerung – in Bezug auf die Verbindung von islamischen Werten mit jenen der Moderne) in Tunesien an der Macht, zeigten sie ihr wahres Gesicht: von Demokratie, Mitbestimmung – vor allem der Frauen im öffentlichen Raum – keine Rede mehr. Kein Wunder, hatten doch gerade jene reaktionären gesellschaftlichen Kräfte noch zu Beginn der Proteste in Ägypten die v.a. jugendlichen und geschlechtergemischten Demonstrant_innen zur „Ruhe“ gemahnt. Kaum an der Macht zeigte sich jedoch der allumfassende Machtanspruch, der Palaver von Tugend und alten Werten einschließlich Überlegungen zur Schari‘a-isierung des Landes sowie schließlich die blutige Niederschlagung von Prostesten gegen die Repression der konservativen Kräfte, die über Wochen die Tagesthemen aller Nachrichtensender dominierten.

Der zeitlich allerdings viel früheren, demokratisch gewählten Machtübernahme der AKP – deren Kern nicht minder religiös-fundamental ist als der ihrer arabischen Gesinnungsbrüder – konnte man in der Tat zu Beginn noch einigermaßen offen gegenüberstehen was Menschenrechte (insbesondere für Frauen und Mädchen) und Bürgerrechte anbelangte – daran würde sich doch in der modernen Türkei niemand vergreifen (zumindest nicht in größerem Ausmaß als es ohnehin seit dem Militärputsch der 80er Jahre Praxis war). Was allerdings wohl eher an der Konstitution der Türkischen Republik denn an fehlenden Absichten fundamentalistischer Kräfte liegt. Die Schutzmacht der laizitären Verfassung ist nach wie vor das Militär – und vor diesem haben alle Kräfte der Repression naturgemäß einen heiden Respekt und weisen im Grunde ideologisch ohnehin eine gewisse identifikatorische Schnittmenge mit deren strukturellem Aufbau und Disziplin auf. Auch hier wurde vielfach das Bild von den „gemäßigten“ oder „moderaten“ Islamisten, für die die AKP im Gegensatz zu anderen fundamentalistischen Kräften steht, stets bedient. Seht her – ‚Islam‘ geht auch modern.

Das versuchen Christsoziale/-demokrat_innen ja auch hierzulande stets zu demonstieren – alte Werte in neuen Zeiten. Oder so. De facto handelt es sich bei selbigen stets um ‚Moral und Ordnung‘, die sich wunderbar in eins fügen mit law & order.
Das zeigen gewaltsame Beendigungen von Demonstrationen und Versammlungen ungeachtet nationalstaatlicher oder ‚kultureller‘ Grenzen, sei es bei blockupy in Frankfurt am Main, auf dem Kairoer Tahrir-Platz, auf dem Istanbuler Taksim-Platz oder wo auch immer.
Das ‚Volk‘ hat die Klappe zu halten und das, was die Mächtigen, also die Wirtschaftseliten und ihre Repräsentant_innen in Politik und Verwaltung festlegen, gehorsam aufzunehmen und umzusetzen. Pustekuchen. Zeigen die genannten Beispiele – ebenfalls jenseits nationalstaatlicher oder ‚kultureller‘ Grenzen.

Sicherlich kann man schon historisch so unterschiedliche Länder nicht unmittelbar vergleichen. antipa allerdings geht es weniger um die historischen Spezifika in der Entwicklung der einzelnen Staaten und ihrer aktuellen Tagespolitik (sei es nun Ägpten oder die Türkei oder die BRD oder ..), als vielmehr um den gemeinsamen Kern patriarchaler Grundstrukturen und - muster. Und hier zeigt sich die ganze Bandbreite an typischer Repression, die jeglicher Emanzipation im Kern zuwiderläuft. Law & Order vermittels gewaltsamer Platz-Räumungen unter Einsatz brachialer Polizeigewalt hier, moralisch-heuchelndes Tugendgesülze da: Ein Gerücht zu verbreiten, wonach die Demonstierenden in einer Moschee Sex gehabt und Alkohol getrunken hätten – das ist schon starker Tobak, zumindest wenn einer so tickt wie Recep Tayyip Erdogan, der „moderate“ Islamist..

Egal wann und wo Vati (Staat) zuschlägt oder „Moral & Tugend“ diktiert, das Ansinnen ist dasselbe und ging und geht stets in der Geschichte Hand in Hand!
Daher weg mit allen patriarchalen Schreckensherrschaften in Staat, Familie und Gesellschaft – Solidarität mit den Aufständischen in der Türkei!!

Integration! Bildung! und ganz ganz viel von dieser Tolleranz, bitte! Danke.

.. oder: vom Wahnsinn verdreht. So könnte, nein müsste der neueste Beitrag der ohnehin nie wirklich diskutierenden „Diskussionsrunde“ des ARD-Formats Anne Will vom 29. Mai 2013 eigentlich übertitelt werden. Standardmäßig plattitüd firmiert die Sendung jedoch unter der marktschreierischen Übertitelung „Allahs Krieger im Westen – wie gefährlich sind radikale Muslime?“. Im Westen also mal wieder nichts Neues; von Seiten der Integrations- und Islamismus-is-beautiful-Fronten allerdings auch nicht. Ähnlich allen anderen TV-Formaten gleichen Schnitts gibt auch hier der Titel bereits die bekannte Logik eines eng abgesteckten Positionierungs- und Argumentationsrahmens vor.
Es wird also die nächsten eineinviertel Stunden höchstwahrscheinlich nicht nur um fundamentalistische Hassprediger sondern v.a. um „Integration“, „fehlende Bildung“, „verpasste Chancen“ – uhund: aufgemerkt! – Tolleranz gehen. Toll. Wir lehnen uns also zurück und betrachten dies feine Schauspiel „politischer“ Fernsehdiskussionkultur, und analysieren ein ganz klein bißchen.

Eingeladen sind
- Deutschlands Bulldogge No.1 im Kampf gegen „Extremismus“, Bayerns Innenminister Joachim Herrrrmann (CSU)- selbsternannter Experte für religiösen Extremismus (Katholizismus natürlich ausgenommen) –,
- Soziologin und Islam->Christentum-Konvertitin Necla Kelek (Islam = Patriarchat, Christentum = nichtpatriarchale Freiheit),
- Christentum->Islam-Konvertitin und obligatorische Schleier-Funktionärin Nora Illi („Frauenbeauftrage“ – ja, selbst die Salafisten arbeiten an der Frauenquote, da schau her!? – im Niqab, Islamischer „Zentralrat“ der Schweiz, in letzter Zeit auffällig häufig in Talkshows entsendet..Ersatz für Christentum-Islam-Konvertitin Maryam Hübsch?!?),
- da Wahlkampf ist: ein Quoten-SPD-Fuzzi (Thomas Oppermann),
- ein differenziert-argumentierender Mensch/Mann mit Verstand und einem arabisch-klingendem Namen (egal),
- und ein mitunter auch mal kritisch-nachhakender Mensch/Frau (Anne Will – halt, das ist ja die Moderatorin!)
Die Zusammensetzung verspricht also Entertainment (weniger: Aufklärung).

Kriminell…Auslän..Hasspred…so schnell wie möglich.. rausgeschmiss..Ausweisen! Abschieben! Ausweisen!

(Herrmann)

Allerdings sind viele von denen [Hassprediger, Salafisten] keine Gäste, sind Deutsche, deutsche … die konvertiert - sind, (…) die sind ja immer am extremsten ..

(Oppermann)

Ein paar Minuten später: Die Moderatorin wendet sich der extrem verschleierten Frau Niqab – pardon – Frau Illi zu und fragt hier nach, was man von Ausweisung halte, am Beispiel von Salafist und Mohammed-Karrikatur Pierre Vogel („Abu Hamza“), den ihr Verband auch schon mal eingeladen hätte..? – Spannung steigt! – entlarvend, entlarvend.. Wer hätte auch gedacht, daß eine westliche Konvertitin, die im zarten Alter von 18 Jahren zum Islam konvertiert ist, kurz darauf die Totalverschleierung (ganz freiwillig!!!!!) „für sich“ entdeckt und sich dazu „ganz bewußt“ entschieden hat (letzteres muß mehrmals die Sendung hindurch noch von ihr betont werden, um allerletzte Zweifel der Zuschauer_innen an der wundervollen Selbstverwirklichung als totale Muslima auszuräumen) vom Salafismus – der letztlich nur die strengste Auslegung des „ur-islamischen“ Lebens zur Zeit Mohammed wortgetreu nachlebt (nicht unähnlich übrigens den anderen monotheistischen Spinnern aus Christen- u. Judentum) – total distanzieren würde??
Aber noch windet sie sich um die Antwort herum. Wer Gewalt und Hass predige bzw. lebe, werde aus dem postmodernen Urislam selbstverständlich ausgeschlossen und – das geht an die Adresse von Ausweisungs-Minister Herrmann – man bekenne sich voll zum Grundgesetz, der freiheitlichen Verfassung und pipapo, es ginge einfach nur um mehr „Toleranz“. So sind erstmal alle beruhigt. Wirklich? Platter kann eine Diskussion nicht geführt werden. Diese Linie zieht sich durch die gesamte Sendung.

Aus antipatriarchaler, feministischer Perspektive stellen und rollen sich mir permanent während der Sendung die Haare auf bzw. Zehennägel hoch. Um was geht diese Diskussion eigentlich?

Gut integrierte Salafisten, oder so

Zwischen sinnfreiem verbalen Ausweisungswahnsinn (am besten alle! alle! alle! harrharrharr), „unser Land-“ und Integrations-Geseier sowie betulichem Toleranzgeschwafel geht die Sendung immer schön am Problem des postmoderenen Fundamentalismus vorbei. Am Problem von patriarchalen Gesellschaftsmodellen. Und an den Widersprüchen zwischen inkorporierter männlicher Herrschaft und individueller Freiheiten und Freiwilligkeiten. Am sprichwörtlichen Wahn-Sinn patriarchal-fundamentalistischer ewiger Wahrheiten.
Die Rolle der Konvertitin in der Sendung ist klar: Blicke anziehen – woah! extrem!! – dabei aber schön („Wir leben hier in einer Demokratie!“) individuell den individuell-puritanischen Weiblichkeitswahn als selbstgewählten Lebensentwurf ausführlich begründen lassen (Pluralismus und so) und so das gute Gefühl vermitteln: seht her, „bei uns“ kann jede/r so leben wie sie/er will, solange man sich an die Regeln (Verfassung) hält. Zumindest äußerlich. Denn darum gehts bekanntlich im kapitalistischen Patriarchat: jedem das Seine und den Herrschenden in diesen Verhältnissen alles. Bloß keine strukturellen Zusammenhänge oder gar Parallelen (Puritanismus der Salafisten vs. der neuen Evangelikalen) aufdecken, diskutieren, Schlüsse daraus ziehen.
Denn im Kern ist auch die Verfasstheit der Bundesrepublik ja noch lange nicht ent-patriarchalisiert. Hier gilt wie in allen modernen demokratischen Staaten: leben und leben lassen, aber nur insofern die grundlegenden Gesellschafts- und ergo Herrschaftstrukturen (Patriarchat, Kapitalismus) unangetastet bleiben und deren zeitgenössische, manifeste Auswürfe (Fundamentalismus, Rechtsextremismus, Prekarisierung, etc.) nicht auf ihre Ursachen hin befragt werden. Der Schlüsselmechanismus dieser Art von Diskurs lautet, genau, T-o-l-e-r-a-n-z! Alleine dieser Begriff zieht sich kontinuierlich durch die Sendung, wird von allen aufgegriffen, umgedeutet, und als Worthülse an den/die nächste in der Runde weitergegeben – auf daß sie mit Inhalten gefüllt werde. Wird sie aber nicht. Und alle sind froh bzw. streiten munter weiter. Im vorgegebenen Rahmen versteht sich.

Was wäre wenn?

Eines scheint von Beginn an klar, die Anwesenden werden und würden sich wahrscheinlich never ever auf eine Grundstruktur von Gesellschaft einigen, in der sich alle als Gleiche und Freie begegnen. Das ist in derartigen Mainstream-Entertainment-Formaten ohnehin nicht vorgesehen. Palaver und Ablenkung anstelle von dialektischem Diskurs kennzeichnen die Rahmenbedingungen derartiger Diskussionsformate. Die Zusammensetzung der Diskussionsteilnehmer_innen spricht Bände und deutet genau in diese Richtung. Jede/r soll ihre/seine „persönliche“ Perspektive auf gesellschaftliche Probleme äußern – ohne freilich jemals auf die eigentlichen strukturellen Problematiken einzugehen bzw. diese zu thematisieren.

Herr El Difraoui, der eine sehr differenzierte und reflektierte Position vertritt, die sich sowohl gegen islamistische Reaktion als auch oberflächliche Integrationsforderungen ohne Einsicht in die Zusammenhänge von Abgrenzung und Ausgrenzung richtet, rennt aus seiner marginalisierten Position gegen Windmühlen in personifizierter Form von Joachim Herrmann an – und letztlich ins Leere. Eine Position, die kulturelle Diversität und zugleich den Universalismus von Gleichheit, Emanzipation und Freiheit vertritt, kommt weder gegen die postmodern-individualistische Selbstbeschränkung einer Frau Illi noch gegen die bornierte Selbstherrlichkeit konservativer Provenienz an. Ein ähnliches Schicksal in derartigen Diskussionsformaten ereilt Frau Kelek. Deren fundamental-antipatriarchale und im Hinblick auf ihre eigenen Erfahrungen mit der eigenen Herkunftskultur unversöhnliche Kritik am Islam – zu Recht, als Frau im muslimischen Patriarchat – verkennt zugleich das grundlegende Problem am nicht minder patriarchalen „Christlich-Abendländischen“, das von ihr gerne als „aufgeklärt“ propagiert wird. Hofiert als authentische Stimme gegen patriarchale Herrschaftsstrukturen im muslimischen Milieu vertitt diese zwar ihre ganze eigenen Ansichten – die allerdings der Mehrheitsgesellschaft von ihr relativ unbemerkt zugleich stets der exklusiven Stigmatisierung des Islam insgesamt als rückständig dienen. Wer sich hingegen mit monotheistisch-patriarchalen Fundamentalismen beschäftigt, wird schnell feststellen, daß diese allesamt – seien sie nun islamistisch, evangelikal/katholizistisch oder jüdisch-ultraorthodox – zutiefst misogyn, homophob und antidemokratisch ausgerichtet sind.

Eine nahezu tragisch zu nennende Rolle kommt der Konvertitin Illi in dieser Runde zu. Während sie sich zunächst als Teil einer imaginären, weltweit ohnehin stets nur verfolgten und bedrohten Umma von Gläubigen stilisieren darf, die dies schwere Los individuell aus tiefster Spiritualität heraus und aus freien Stücken angenommen hat, wird sie im Verlauf der Sendung sukzessive dann doch immer mehr vorgeführt als eine, die offenbar routiniert und im Einklang mit dem Mainstream-Diskurs auf einen sinnentlenerten „Toleranz-“Begriff rekurriert, der bei näherem Hinsehen und Nachbohren seitens der Moderatorin aber sukzessive und sodann schlußendlich noch als islamistischer Extremismus entlarvt werden wird. Im wahrsten Sinne des Wortes un-glaublich! Wer hätte sich das vorab auch nur vorstellen können -eine Islamistin, die homosexuelle Sexualakte zwar – denn das gebietet der offizielle Mainstream-Diskurs (nicht nur) in Deutschland – „toleriert“, diese aber eigentlich, so wird im Diskussionsverhör deutlich, zutiefst pervers findet!? Shocking!

Wie wäre es aber, wenn eine demokratische Plattform wirklich Raum böte, die Frage nach dem guten Zusammenleben zu stellen? Wenn die Position eines Herrn Herrmann mal genauer hinterfragt würde? Können Muslim_innen jemals wirklich Teil der Bundesrepublik werden? Und warum offenbar nicht? Wenn Frauen wirklich eine individuelle Wahl hätten – anstatt sich zwischen Pest und Cholera diverser patriarchal-kultureller Gesellschaftsmuster entscheiden zu müssen? Wenn wahrlich gut integrierte „Migrant_innen“ wie Herr El Difraoui endlich nur noch individuell als Mensch unter Menschen innerhalb der BRD wahrgenommen würde und nicht im permanenten Spagat zwischen Herkunfts- und Mehrheitskultur Position beziehen müsste?

Patriarchale Meinungseinheit – jW zu Pussy Riot vs. Assange

Der kürzlich erschienene Meinungsartikel zu den Reaktionen im Fall Pussy-Riot-Urteil sowie der Flucht Julian Assange’s in die ecuadorianische Botschaft gibt Aufschluß über den Geisteszustand eines jW-Autors – und leider einmal mehr über das krude Verständnis von Gesellschaftskritik und Emanzipation der jW selbst sowie eines Teils der Linken.
Werner Pirker schreibt in dem Artikel zugleich über zwei aktuelle Fälle von internationaler Solidarität – bzw. dem Fehlen derselben, angeblich. Während im Falle der Verurteilung der drei (mehr…)