Archiv der Kategorie 'Allgemein'

ISis noch normal?

Warum ‚ganz normale‘ Mädchen und junge Frauen den Weg in den sogenannten Islamischen Staat in Syrien und Irak wählen, um ihrem Leben einen vermeintlichen Sinn zu verleihen, ist nicht nur nicht klar, sondern erscheint vielen westlichen Beobachter_innen, zumal Feministinnen höchst irritierend. Ist doch allen, die nur die Tagespresse lesen oder per Rundfunk konsumieren klar, daß Frauen und Mädchen nicht viel mehr erwartet als die Rollen der wandelnden Sexsklavin, Haushälterin und/oder Gebär-Mutter durchgeknallter Jihadis und ihrer Weltermächtigungsphantasien.
Die Sozialwissenschaftlerinnen Erin Marie Saltman und Melanie Smith vom britischen Institute for Strategic Dialoge (ISD) gehen in ihrer gerade erschienenen Studie ‘Till Martyrdom Do Us Part’ Gender and the ISIS Phenomenon dieser Frage nach. Eines ist klar: Diese jungen Frauen und Mädchen sind mehr als nur „Jihadi-Bräute“, eine vereinfachte patriarchale Sichtweise, nach der Frauen sich ohne jedwede Gedanken oder eigene Interessen auf den Weg begeben, nur um einem Mann nachzufolgen, um Teil dessen Interessen zu werden, geschützt zu sein. So einfach ist es leider nicht. Diese jungen Verirrten sind aus eigenem Antrieb unterwegs, zumeist nach in Bürgerkriege verstrickete Gebiete in Syrien und Irak, die mittlerweile regional von IS-Jihadisten kontrolliert werden.

je suis charlie

Same procedure as every year?!?

What the fuck?! – genau, es ist wieder so weit: Wie jedes Jahr treffen auch dieses Jahr wieder die sogenannten Lebenschützer_innen in Berlin ein um ein vermeintliches Grundrecht des Patriarchats zu schützen – den Zugriff über das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper, ihre Reproduktionsfähigkeit.
Wie jedes Jahr werden Evangelikale und Katholen in Sonntagsmessentracht Hand in Hand mit Nationalisten und anderen Reaktionären marschieren, Behinderte und Kinder mit Schildern à la „Danke Mami, dass ich leben darf“ auf dem Rücken im Schlepptau.
Diese widerliche „Marsch für das Leben“-Show zu blockieren haben sich dieses Jahr verschiedene Bündnisse zum Ziel gesetzt. Denn der patriarchal-sexistische, nationalistische Backlash zieht eurpaweit seine Kreise und das mit steigender Teilnehmer_innen-Zahl!
Dem gilt es breiten Widerstand entgegen zu setzen – morgen, Sa., 20.09.2014
ab 11:30 Uhr U-Kochstr. Auftaktkundgebung radikal-linker Gruppen, Zusammenhänge und Aktivist_innen
gen Bundeskanzleramt, wo die sog. Lebensschützer_innen ihre Auftaktkundgebung abhalten
Stören * Blockieren
ab 13:00 Uhr Kundgebungen des Bündisses für sexuelle Selbstbestimmung am Platz des 18. März / Brandenburger Tor

Feministin Amina Sboui von Islamistenmob attackiert

Die tunesische Feministin Amina Sboui wurde von einem Mob unbekannter offenbar islamistisch-motivierter Männer attackiert als sie sich in Paris – wo sie mittlerweile lebt und studiert – auf dem Heimweg befand. Zuvor wurde sie von den Attackierern gezwungen, aus der Metro auszusteigen. Wie sie selbst in ihrem Facebook-Account berichtet, hätten die Islamisten ihr die Haare und Augenbrauen unter Gewaltanwendung abrasiert, sie dabei als „dreckige Hure“ („sale pute“) beschimpft und ihr gedroht, sie gruppenzuvergewaltigen (frz. „tonte“). Die ihr „von Allah gegebene Schönheit“ hätte sie „nicht verdient“. Hier der Wortlaut ihres Postings nach dem Überfall:

Rectification: a 6h15 du mat place de Clichy 5 individus ont commencés à m‘insulter ils m‘ont obligée de sortir du métro , appeler des amis qui était avec moi pour leur dire que je suis bien arrivée chez moi ! dans la rue ils m‘attrape je crie , et personne n‘est arrêtée j‘avais pas de batterie pour appeler les flics ! ils m‘ont rasée les sourcils les cheveux on me disant que je mérite pas la beauté que Allah m‘a donnée , ils m‘ont dis sale pute , on va te violer et Allah va nous remercier pour ça ! et là j‘ai commencée à leur supplier et leur dire que je redeviens musulmane j‘ai lis le Coran pour qu‘ils me lâche j‘ai pas encore déposée plainte mais je vais le faire toute à l‘heure ! encore en 2014 ça ce passe et en France , j‘arrive pas encore à croire
je vous tiens au courant de ce qui va se passer au commissariat — hundeelend.

Amina Sboui aka Amina Tyler, hatte die salafistisch-inspirierte Re-Islamisierung der tunesischen Gesellschaft nach der Revolution 2011 unter der Ennahda-Partei, scharf attackiert, indem sie als Frau auf das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frauen rekurrierte, und in einer Femen-inspirierten Aktion nicht nur blank zog, sondern verbal scharf nachzog und die Prüderie, die sexuelle Doppelmoral und den Frauenhass der Islamisten scharf attackierte. Nach dieser Aktion wurde sie von Islamisten unterschiedlicher Couleur, u.a. den tunesischen Salafisten, mit dem Tod bedroht. Sie lebt seitdem im französischen Exil. Von Femen ist sie ausgetreten. Aber der Hass der patriarchalen Fundis ist ihr dennoch weiter sicher, wie der jüngste Angriff zeigt. „So eine“ darf damit nicht durchkommen.

Auf ein nicht ganz unbedeutendes Detail weist in Zusammenhang mit dem Überfall die taz hin, auch wenn sie diese Parallele nicht weiter verfolgt oder in einen entsprechenden Sinnzusammenhang stellt bzw. analysiert. Die kulturell mit Bedeutung aufgeladene Haartracht von Frauen, traditionell Symbol ihrer Stärke und Weiblichkeit in westlichen wie islamischen Kulturen gleichermaßen, wurde in derselben patriarchalen Logik der Demütigung auch nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzung Frankreichs durch Hitler-Deutschland an Frauen symbolisch öffentlichkeitswirksam als Abschreckung gegenüber einer körperlichen respektive sexuellen Selbstbestimmung von Frauen praktiziert. Damals wurde Frauen in Frankreich nach Abzug der Besatzer, die mit dem Besatzer durch Beischlaf „kollaboriert“ hatten, auch unter Zwang das Haupthaar abrasiert.

Die Wirkung einer solchen, symbolisch inszenierten Vergewaltigung ist nicht zu unterschätzen. Die Message lautet hier wie da: fügst du dich als „unsere“ Frau nicht in unser Wertesystem bzw. unsere Verfügungsgewalt, nehmen wir dir alles, was du als das dir Ureigenste betrachtest – deine Weiblichkeit, deine Würde, deinen Stolz. Wir brechen dich und dein Aufbegehren gegen die bestehende Geschlechterordnung.

Hierin zeigt sich auch die grundlegende Parallele aller patriarchalen Barbarei, gleich welcher kulturellen Prägung sie sich äußerlich artikuliert. Die grundlegende Spaltung in Heilige (die es zu „schützen“ gilt) und Hure (die quasi vogelfrei ist) ist ihnen allesamt gemein und wird im Spektrum von latenter, symbolischer bis hin zu offen brachialer Gewalt durchgesetzt, um die Herrschaft der Gruppe der Männer über „ihre“ Frauen durchzusetzen.

Vulven für den guten Zweck

Im unermüdlichen Einsatz für Aufklärung zu Quellen der weiblichen Lust, für selbstbestimmte Sexualität insbesondere von Frauen_Lesben und Trans-Personen lancierte Dr. Laura Méritt, Sexpertin und Kommunkationswissenschaftlerin, eine eigene Studie, die patriarchal-entfremdeten Schönheitsvorstellungen zur verordneten Norm-Ästhetik der weiblichen äußeren Sexualorgane entgegenwirken will:

Auf sexclusivitäten findet ihr den Link zur Umfrage (Direktlink) zum individuellen Pussy-Profil.

Alle Vulven und Mösen sind individuell verschieden, schön, anregend, erregend – aufregend! Vermeintliche Normlängen von Charme-Lippen sind pure Erfindung. Vermeintliche Abweichungen der Klitoris-Größe von einer willkürlich gesetzten Normgröße werden standardmäßig bereits bei weiblichen Neugeborenen durch Mediziner_innen „korrigiert“.
Schluß mit der symbolischen Kastration individuell-weiblicher Vielfalt des „da unten“!

Seit Jahren versuchen „Schönheits-“Chirurgen, einen angeblichen Trend zur operativen Korrektur der eigenen Labien auch in Europa zu forcieren, wie er in den USA beispielsweise schon seit längerem Realität ist. Dem entgegen setzt die Umfrage eine empirische Erforschung der Realitäten weiblicher Körperlichkeit.

antipa supportet diese Aktion der Erforschung von weiblicher Körper-, Ausdrucks- und Begehrensvielfalt – gegen die Normierung, Passivierung und entfremdenden Objektivierung weiblicher Körper!

Wiesenmeer erhalten!

Aus aktuellem Anlass – am kommenden Sonntag, den 25.05.2014 steht die Abstimmung über den Volksentscheid zu 100% Tempelhofer Feld an – ausnahmsweise mal ein bißchen Wahlwerbung für die gute Sache:

Tempelhofer Feld für ALLE – ALLES für ALLE !

Kein kapitalistisch-patriarchales – wer die Kohle hat bzw. wer die Hosen (Senat) anhat bestimmt – Durchregieren mehr gegen die Interessen der Menschen vor Ort!

Mobilisiert Freund_innen, Kolleg_innen, Genoss_innen, Bekannte und Wahlverwandte und alle Menschen, die ihr in euerem sozialen Nahfeld erreicht:

Ein JA für den Entwurf der Trägerin des Volksbegehrens – die Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld (THF100)

Ein klares NEIN (zusätzlich ankreuzen nicht vergessen!!) für den profit- und vertungsorientierten Masterplan des rot-schwarzen Berliner Senats!

Die Möglichkeiten hierzu stehen wie folgt:
Abstimmung am Sonntag in den zuständigen Wahllokalen (8:00-18:00 Uhr)
Briefwahl (da zu dieser vorab ein Antrag gestellt werden muss, fällt diese Möglichkeit unter ferner liefen angesichts des knapp bevorstehenden Wahltermins am Wochenende, außer ihr schafft es morgen noch)
Abstimmung morgen, für alle, die wissen, daß sie am Sonntag verhindert sein werden..in der zuständigen Briefwahlstelle

Das zuständige Wahllokal lässt sich in der Wahlbenachrichtigung nachlesen. Für jene, die diese verloren haben oder nicht mehr auffinden: unter berlin.de das zuständige Wahllokal ausfindig machen!

Wer noch nicht überzeugt ist von der Dringlichkeit, diese grass-roots-Initiative zu unterstützen, die_der rufe sich ihren_seinen letzten Besuch des Felds in Erinnerung oder vergegenwärtige sich, was ein Scheitern des Volksentscheids an Verlust bedeuten würde:

THF100Plakate

Gegen die kapitalistische Verwertungslogik der Berliner „Stadtentwicklung“!

Da die WM auch der sexistischen Ausfälle ansteht..

hat „LiDL“ aktuell schon die passende sexistische Kackscheiße im Angebot:

Sexismus lidl

Die freuen sich doch sicher über Rückmeldungen und Fragen zu Warenangebot und Sortiment:

per Email kontakt@lidl.de

oder unter der kostenlosen Rufnummer einfach mal mit den Call-Center-Agent_innen über Sexismus als Verkaufs“argument“ philosophieren bis die Drähte heißlaufen:

0800 – 43 53 361

-> passt übrigens gut dazu: ein kühles Bierchen

enjoy!

Von Gebär- und Still-Zwängen weltweit

Da ist ein Staat doch mal sehr offen und direkt, was den Anspruch auf patriarchale Verfügungsgewalt über weibliche Reproduktionskörper anbelangt:

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE – United Arab Emirates) definiert und regelt ein neues „Kinderschutzgesetz“ doch nun tatsächlich ausdrücklich, daß Frauen, die ein Kind geboren haben, dieses nun auch stillen müssen. Heißt in der Folge, Nicht-Stillen stellt einen Gesetzesverstoß dar und kann geahndet werden. Und Erzeuger haben von nun an ein Verfügungsregelement mehr an der Hand, um Frauen an Heim und Herd zu fesseln. Von der Erpressbarkeit und dem psychischen Druck bzw. Leiden der Betroffenen – nahezu die Hälfte der Bevölkerung im gebährfähigen Alter – ganz zu schweigen.

Apropos Erzeuger: Diese haben in Mazedonien bereits seit Juni 2013 ein gehöriges Wörtchen mitzureden, wenn Schwangere abtreiben wollen. In einem Eilverfahren wurde vor knapp einem dreiviertel Jahr beschlossen, das Abtreibungsrecht der Frau dergestalt einzuschränken, daß die Betroffene
a) nachweisen muß, den Erzeuger über die Absicht, abtreiben zu wollen, informiert zu haben und
b) daß die gesetzlich vorgeschriebene Beratung vor dem Abbruch gemeinsam mit dem Erzeuger absolviert werden muß.
Frau stelle sich nur vor was das in Fällen von gescheiterten Beziehungen, One-Night-Stands und gewaltbelasteten Partnerschaften bedeutet.. Immerhin: die Vergewaltigung stellt noch eine „legitimen“ Grund für eine Abtreibung dar.
Die gesetzlich geregelte Fremdbestimmung über den eigenen Körper und dessen Reproduktionsmöglichkeiten sind seitdem in einem weiteren Land gesetzlich verankert, und das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper von Mädchen und Frauen massiv beschnitten worden.

Nicht anders in der EU und europäischen Ländern, wo die patriarchale Reaktion längst den Kampf aufgenommen hat mit allen gesellschaftlichen Errungenschaften, die seit Jahrzehnten für mehr Emanzipation und das grundlegende Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper gekämpft haben:

Relativ unbemerkt neben der schweizerischen – nicht minder reaktionären – Volksabstimmung über angebliche „Massenzuwanderung“ (die knapp „positiv“, also aus emanzipatorischer, antirassistischer Sicht negativ ausfiel) fand noch eine weitere, nicht gerade unbedeutende Abstimmung statt. Allerdings fiel diese, zum Glück aller Eidgenossinnen, proemanzipatorisch aus: Vergangenen Sonntag waren alle Schweizer_innen aufgerufen, über ein von nationalistisch-konservativ-religiösen Kräften lanciertes Vorhaben abzustimmen, das die Privatisierung von Abtreibungskosten einführen wollte. Rund 70 Prozent stimmten dagegen, die medizinischen Kosten aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen bzw. den Betroffenen selbst aufzuerlegen. Was für alle Nichtvermögenden de facto eine Abschaffung der Abtreibung bedeutet hätte.
Jedoch gibt es landesintern regional erhebliche Unterschiede im Abstimmungsverhalten, wie das Kanton Appenzell Innerrhoden () zeigt..

2012 startete der islamistische neo-konservative türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (AKP) eine Kampagne, die Abtreibung zu „Mord“ erklärte, und beabsichtigte, in der Türkei die Abtreibung – selbst in Fällen von Vergewaltigung – zukünftig generell unter Strafe zu stellen. Nur dem wochenlangen Einsatz einer breitgefächterten feministischen Bewegung in der Türkei ist es zu verdanken, daß dieser Angriff auf das grundlegende Selbstbestimmungsrecht der Frauen dort gerade noch abgewehrt wurde!

Von einem solch entschiedenen Eintreten gegen patriarchale Fremdbestimmung sind viele westeuropäische Staaten leider noch sehr weit entfernt.
Nicht nur in traditionell katholisch sehr stark beeinflussten Staaten wie Irland und Polen besteht de facto ein Abtreibungsverbot. Der Einfluss des Vatikan ist auch hierzulande deutlich spürbar. Auch in Deutschland lief der Versuch, das Abtreibungsrecht – genauer: die indikationsbezogene Straffreiheit von Abtreibungen – weiter einzuschränken schon lange an. Über die Hintertür der Diskussion über die sog. Pränatale Präimplentationsdiagnostik (PID) fanden sich sogar linke, grüne und sozialdemokratische Kräfte, die sich für den „Schutz des Lebens“ im deutschen Parlament einsetzten.
Nicht unerheblich in dieser Frage dürfte der Einfluss der katholischen Propagandalehre auch hierzulande sein, wenn man fragt, wieso es in Deutschland bis heute kein kodifiziertes Recht auf Abtreibung gibt. Am Fehlen einer kämpferischen Frauenbewegung kann es nicht gelegen haben. So findet ja auch der als so „modern“ gefeierte neue Papst Franziskus zwar – endlich! im Vergleich zu seinen bloß moralisierenden, apellierenden Vorgängern – zu Recht schneidende Worte wenn er scharfsinnig die Gewalttätigkeit eines inhumanen Systems analysiert und den Kapitalismus als menschenverachtend geißelt („Diese Wirtschaft tötet“) – für das System Patriarchat, gewissermaßen den Unterbau der Katholensekte, gibt es nicht mal annähernd Schelte vom Oberhirten. Im Gegenteil. Auch diesem vermeintlich modernen Geist im Vatikan hören wir moralinsauer schwadronieren gegen Abtreibung, die „Teil der Wegwerfgesellschaft“ sei. So weit, so norm-al.

Höchst prekär stellt sich allerdings die Situation mittlerweile für Mädchen und Frauen in Spanien dar: Die konservative Volkspartei (PP – Partido Popular) hat intern eine Gesetzesinitiative abgesegnet, die die Abtreibung generell unter Strafe stellen soll. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im spanischen Parlament steht das Risiko eines generellen Abtreibungsverbots in Spanien unmittelbar vor der Tür. Die erste Hürde auf dem parlamentarischen Weg der nationalistisch-katholischen Reaktionäre zur Einschränkung des körperlichen und reproduktiven Selbstbestimmungsrechts ist bereits genommen.
Die Gefahr, daß gebärfähige Menschen wieder unter dem Einsatz von Stricknadeln etc. verbluten werden ist höchst präsent!

Nicht mehr lange bis zum 8. März – dem weltweiten Frauenkampftag! Zeit, es den Spanierinnen in feministischer Solidarität gleichzutun und allen Reaktionären weltweit zu zeigen, daß das erste Recht des Menschen eben für alle Menschen gilt – gerade auch für die „andere“ (Simone de Beauvoir) Hälfte der Bevölkerung: MEIN Körper gehört MIR !!

Ob wir Kinder kriegen oder keine – entscheiden wir alleine!

Backlash: Wie Fundis EU-weit agieren und feministisch hart erkämpfte (Reproduktions-)Grundrechte zu nivellieren suchen

Am 11. Dezember 2013 legte Edite Estrela ihren Bericht zum Thema „Rechte auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ („Estrela-Bericht“) zur Abstimmung im EU-Parlament vor – die Reaktionen waren zutiefst schockierend für alle, die grundlegende reproduktive Grundrechte wie dasjenige auf Geburtenkontrolle und Abtreibung verteidigen.

Dazu aus einem Interview mit der EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek (Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz), die den wachsenden Einfluss von christlich geprägten Fundamentalisten und nationalistischen Kräften innerhalb der EU beschreibt – dieStandard berichtet:

Ihre Arbeit erntete Buhrufe und Johlen: Am 11. Dezember legte Edite Estrela ihren Bericht zum Thema „Rechte auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ zur Abstimmung im EU-Parlament vor. Mit ganz knapper Mehrheit wurde der Bericht, der unter anderem einen sicheren Zugang zu Abtreibung in allen EU-Ländern forderte, mit einem Gegenantrag der Europäischen Volksparteien (EVP) abgeschmettert (dieStandard.at berichtete). Für die Grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek hat damit die rechte Agitation gegen mühsam erkämpfte Frauenrechte einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Gespräch mit dieStandard.at erläutert sie die Hintergründe, die zur Ablehnung führten und welche Kämpfe als nächstes auf EU-Ebene anstehen.

dieStandard.at: Sie haben die Ablehnung des Estrela-Berichts letzte Woche als „Schlag ins Gesicht für Frauenrechte“ bezeichnet. Warum?

Ulrike Lunacek: Teenage-Schwangerschaften nehmen zu, Sparpakete schränken Zugang zu Gesundheitsdiensten ein – und in Irland oder auch Malta ist Abtreibung noch völlig verboten.

Der Bericht, der ja kein legislativer war, hatte das Ziel, die vor fast 20 Jahren bei der Kairoer UN-Bevölkerungskonferenz beschlossenen sexuellen und reproduktiven Rechte für alle Mitgliedsstaaten gleich umzusetzen. Ganz grundsätzlich sollte daran erinnert werden, dass Frauen aber auch Männer ihre Sexualität frei von Gewalt und Diskriminierung in allen Mitgliedsländern leben können.

Damit verknüpft sind Themen wie Abtreibung, Gesundheit, Bildung und Aufklärung –Bereiche, über die ganz klar die Mitgliedsstaaten entscheiden. Der Bericht wollte den Mitgliedsstaaten Empfehlungen geben, aber keine Vorschriften machen. Dass sich das EU-Parlament nicht einmal dazu entschließen konnte, deute ich als Rückschlag für Frauenrechte.

dieStandard.at: Sie sagten auch, es wurde im Vorfeld „mit ideologisch motivierten Falschinformationen“ gespielt. Welche Informationen wurden hier verbreitet?

Ulrike Lunacek: Das war echt absurd. In einem der Mails, mit dem die Abgeordneten bombardiert wurden, stand etwa, dass der Bericht die massive Förderung von Abtreibung als Mittel zur Geburtenkontrolle beinhalte. Dass zwingende Sexerziehung lange vor dem Alter von vier Jahren sowie die Anleitung zur Masturbation im frühen Kindesalter darin verankert werde. Die Organisation trug den Namen „Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“

Frau Estrela (die Berichterstatterin im EU-Parlament, Anm.) hat selbst vor der ersten Abstimmung im Oktober 80.000 Protestmails von Mitgliedern konservativer Familienorganisationen, Pro-Life-AktivistInnen und christlich-fundamentalistischen Organisationen aus ganz Europa bekommen, die zum Teil auf persönlicher Ebene beleidigend waren.

Auch bei der Abstimmung im Plenum herrschte eine Stimmung, die etwas Bedrohliches hatte. Die ParlamentarierInnen johlten und buhten, während Estrela sprach und als klar wurde, dass der Gegenbericht angenommen wurde, klopften sie lautest auf die Tische. Unfassbar, dass die Agitation gegen den Bericht diese Dimension annehmen konnte.

dieStandard.at: Wie erklären Sie sich diese Mobilisierungskraft eines Berichts, der ja nur Empfehlungen aussprechen kann?

Ulrike Lunacek: Wir erleben seit den letzten paar Jahren ein Erstarken der christlichen FundamentalistInnen, aber auch der rechten, nationalistischen Parteien. Wie stark sie sind und wie gut sie auch untereinander vernetzt sind, hat sich im Vorfeld der Abstimmung und auch durch die Ablehnung gezeigt.

dieStandard.at: Die GegnerInnen des Berichts meinten, in dem Text sei von einem Recht auf Abtreibung die Rede. Sie sagen, der Bericht forderte lediglich den Zugang aller Frauen zu sicherer Abtreibung. Wo liegt denn da genau der Unterschied?

Ulrike Lunacek: Ich war selber 1994 in Kairo dabei. Damals konnten wir uns auf UNO-Ebene auf die Formulierung einigen, dass in Ländern, wo Abtreibung legal ist, ein Zugang zu sicheren Abbrüchen gewährleistet sein muss. Es stimmt, in diesem EP-Bericht wird neben vielen anderen Dingen, wie etwa dem Zugang zu Empfängnisverhütung, der Zugang aller Frauen zu sicherer Abtreibung empfohlen. Aber die EU ist ja weit davon entfernt, den Mitgliedsländern in diesem Bereich Vorschriften machen zu können.

Das Thema sexuelle Gesundheit umfasst ja noch viele andere Themen. Aktuell haben wir etwa in Europa wieder eine Zunahme von Teenagerschwangerschaften. Das ist sowohl gesundheitlich auch gesellschaftlich ein großes Problem, das auch den FundamentalistInnen nicht egal sein sollte.

dieStandard.at: Im Oktober wurde der Bericht bereits einmal in den Frauenausschuss zurückgeschickt. Welche Passagen wurden geändert und warum?

Ulrike Lunacek: Estrela hat vorgeschlagen, einzelne Punkte, die in den Mails ganz massiv kritisiert wurden, aus dem Bericht zu nehmen, so wurde etwa die Formulierung „tabufreie und interaktive Sexualitätsaufklärung“ entfernt nicht aber die Forderung nach einer modernen Sexualaufklärung. Entfernt wurde auch die Forderung auf Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen für nicht verheiratete und lesbische Frauen, was ich persönlich sehr schade finde. Der dritte Teil betraf einzelne Punkte zum Thema Leihmutterschaft.

dieStandard.at: Auch auf anderer EU-Ebene tut sich etwas in diesen Fragen. Die EU-Bürgerinitiative „One of us“ hat bisher 1,8 Millionen Unterschriften gesammelt und muss nun von der EU-Kommission behandelt werden. Was glauben Sie, wie die EU-Kommission reagieren wird?

Ulrike Lunacek: Zunächst möchte ich sagen, wie verärgert ich war, dass die EU-Kommission dieses Begehren überhaupt zugelassen hat. Denn im Petitionstext geht es zwar um Embryonenforschung in der EU, doch auch der Schutz des Embryos von der Zeugung an wird darin festgeschrieben. Damit ist die Bekämpfung der Fristenlösung das eigentliche Ansinnen der Petition. Nicht umsonst fordert die Initiative auch Änderungen bei der Entwicklungszusammenarbeit der EU. Damit wären all jene Einrichtungen und NGOs betroffen, die sich in den entsprechenden Ländern für reproduktive Rechte einsetzen. Die USA haben unter Präsident Bush ja schon einmal diesen Weg beschritten (…)

Seltsamerweise ging dieser Vorgang – die Ablehnung des sog. Estrela-Berichts für die reproduktiven Grundrechte (z.B. dasjenige auf Abtreibung) vor dem EU-Parlament nahezu unbemerkt und unkommentiert durch die gesamtdeutsche (Bloggerinnen-/feministische) Öffentlichkeit..

Aufwachen, Frauen: Mit dem Angriff auf das fundamental feministisch erkämpfte Recht auf sexuelle und reproduktive Grundrechte steht der Kern unserer Freiheit im Fokus der christlich-patriarchalen Sexisten! Wenn wir nicht kollektiv zurück ins Mittelalter zurückgedrängt werden wollen, müssen wir unsere innerfeministischen Grabenkämpfe, zumindest für den Moment lang, überwinden und gemeinsam zurückschlagen!

Fight back Patriarchy!!