Wenn religiöse Führer Klartext reden

.. ist das so herrlich aufklärend, weil es ihre Denke, insbesondere ihre menschenverachtende, misogyne (frauenverachtende) Ideologie so schön entlarvt.
Auf der Rückreise seiner Asien-Tour, erklärte Papst Franziskus, dass die Menschen sich nicht „wie die Kaninchen“ verhalten müssten, um „gute Katholiken“ zu sein. Gemeint war: nicht vermehren wie die Karnickel! Damit hat sich das „geistliche Oberhaupt“ der römisch-katholischen Sekte als Heuchler erster Klasse zu erkennen gegeben. Denn galt bislang die vatikanisch verordnete Doktrin, daß jede Schwangerschaft als ein „Geschenk Gottes“ anzunehmen sei – ob es sich dabei um Vergewaltigung oder den Abstieg ins soziale Elend handelte war noch nicht einmal zweitrangig relevant – und ergo Verhütung, Abtreibung und insbesondere die körperliche Selbstbestimmung der Frau wider die Natur seien, so schickt sich das Oberhaupt der katholischen Schäfchen nun dazu an, eine „individuelle Verantwortung“ zu predigen. Freilich trifft es wieder einmal insbesondere die Frauen doppelt hart. Denn wenn sich die Menschen schon wie die Karnickel vermehren, ist das letztlich doch Versagen der weiblichen Spezies (Bericht ARD tagesschau):

„Ich habe vor ein paar Monaten in einer Kirchengemeinde eine Frau gescholten, die mit dem achten Kind schwanger war. Sie hatte schon sieben, die per Kaiserschnitt geboren waren.“ Er habe die Frau gefragt, ob sie sieben Kinder zu Waisen machen wolle. „Das heißt, Gott herauszufordern. Das ist unverantwortlich“, so Franziskus. „Nein“, habe die Frau erwidert, sie vertraue auf Gott. Und der Papst erwiderte nach eigenen Angaben: „Schau, Gott gibt Dir die Mittel, aber Du musst verantwortlich sein.“

Galt die Frau an sich schon immer als sündige Verführerin, war doch ihre gerechte Strafe stets die, „unter Schmerzen“, wie es das Alte Testament schon vorsieht, zu gebären. Und zwar grenzenlos. Gemäß guter alter Kirchentradition hat sich die Frau dem Verlangen des Mannes zu beugen, das „Ganze“ über sich ergehen zu lassen. Denn ihr ist die Erbsünde – wie die „Wonne“ der Mutterschaft gleichermaßen, ob auferzwungen oder nicht. Verhütung dagegen galt bislang als pures Teufelszeug.

Scheint, daß die sozialen Verhältnisse, in denen Kinder aufzuwachsen gezwungen sind, insbesondere auf den Philipinen, wo sich sozial erzeugtes Leid und individuelles Elend so unmittelbar manifestieren, den Papst zu einer, wenngleich beschränkten, Einsicht verholfen haben. Armut und Kinderprostitution gehören zum Straßenbild. Unendlich viele Kinder in die Welt, in eine ungesicherte Existenz zu schmeißen muss also nicht unbedingt katholisch sein. Das ist in der Tat neu.

Wieviele Frauen werden wohl freiwillig achtmal schwanger? Eben. Gemäß guter patriarchaler Tradition gemäß gilt es nun allerdings nicht Mißstände, die körperliche und reproduktive Selbstbestimmung betreffend, anzuprangern, sondern das Opfer der systemisch propagierten Gewalt gegen die Selbstbestimmung nun aber obendrein noch mit Schuld zu beladen. Der Oberhirte „scholt“ die gezeichnete Frau also – und empörte sich obendrein ihrer „Verantwortungslosigkeit“: Wie könne sie auch ob der achten Risikoschwangerschaft (alle vorherigen per Kaiserschnitt entbunden) so verantworungslos sein, ihre sieben bisherigen Kinder durch die erneute Schwangerschaft dem Fanal des Waisen-Seins auszusetzen?! Einmal mehr zeigt die „christliche“ Tradition hier in ihrer Art, Frauen als Untermenschen mit defizitärem Moralbewusstein auszuweisen, ihr wahres Gesicht: Du bist die wilde Natur, ein Gefäß, eine bloße Gebär- und Versorgemutter – für die patriarchale Horde.

Und so bedient einmal mehr ein bekannter Mechanismus, der misogyne Totalausfall, Ressentiments gegen Frauen. Hatten diese bislang ihr „Schicksal“ still zu ertragen, so werden sie nun vor den Kadi der römisch-katholischen Scheinheiligkeit und Weltfremdheit gezogen, ihre gottlos-selbstsüchtige Verantwortungslosigkeit (denn klassisch: Sex = Schangerschaft) anklagend. Freilich schwingt darin einmal mehr die sexistische Konnotation von Frauen als sexuell-abartig (tierisch -> „Kaninchen“) und verderblich („verantwortungslos“/“unmoralisch“) mit. Dazu kommt die rassistische Konnotation: Ein weißer Papst wendet sich angewidert von „asiatischen“ Verhältnissen ab. Dabei sind Leid und Elend, insbesondere auch das zwangsreproduktive Elend von Frauen weltweit, zuallerst patriarchaler Gewaltkulturen, wie sie die christlich-katholische eine ist, geschuldet.

Wenn schon Fragen wie die nach der moralischen „Schuld“ aufgeworfen werden, so hätte gerade der misogyne Altherrenclub in Rom die Pflicht, sich selbst zu martern und/oder aufzulösen – oder für immer zu schweigen!

Was nun „die Mittel“ zur Verhütung seien, das freilich ließ der Oberhirte offen. Zuviel Aufkärung muß nun wirklich auch nicht sein. Nicht daß die Schäfchen, die den verbalen Ergüssen seiner Hochheiligkeiten noch Ehrerbietung erweisen, letztlich Gefallen finden an reproduktionsentkoppelter und damit im modernen Sinne freier (Hetero-) Sexualität finden! Der Untergang der knapp zweitausendjährigen Tradition der Abendlandautoritäten drohte..