Feministin Amina Sboui von Islamistenmob attackiert

Die tunesische Feministin Amina Sboui wurde von einem Mob unbekannter offenbar islamistisch-motivierter Männer attackiert als sie sich in Paris – wo sie mittlerweile lebt und studiert – auf dem Heimweg befand. Zuvor wurde sie von den Attackierern gezwungen, aus der Metro auszusteigen. Wie sie selbst in ihrem Facebook-Account berichtet, hätten die Islamisten ihr die Haare und Augenbrauen unter Gewaltanwendung abrasiert, sie dabei als „dreckige Hure“ („sale pute“) beschimpft und ihr gedroht, sie gruppenzuvergewaltigen (frz. „tonte“). Die ihr „von Allah gegebene Schönheit“ hätte sie „nicht verdient“. Hier der Wortlaut ihres Postings nach dem Überfall:

Rectification: a 6h15 du mat place de Clichy 5 individus ont commencés à m‘insulter ils m‘ont obligée de sortir du métro , appeler des amis qui était avec moi pour leur dire que je suis bien arrivée chez moi ! dans la rue ils m‘attrape je crie , et personne n‘est arrêtée j‘avais pas de batterie pour appeler les flics ! ils m‘ont rasée les sourcils les cheveux on me disant que je mérite pas la beauté que Allah m‘a donnée , ils m‘ont dis sale pute , on va te violer et Allah va nous remercier pour ça ! et là j‘ai commencée à leur supplier et leur dire que je redeviens musulmane j‘ai lis le Coran pour qu‘ils me lâche j‘ai pas encore déposée plainte mais je vais le faire toute à l‘heure ! encore en 2014 ça ce passe et en France , j‘arrive pas encore à croire
je vous tiens au courant de ce qui va se passer au commissariat — hundeelend.

Amina Sboui aka Amina Tyler, hatte die salafistisch-inspirierte Re-Islamisierung der tunesischen Gesellschaft nach der Revolution 2011 unter der Ennahda-Partei, scharf attackiert, indem sie als Frau auf das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frauen rekurrierte, und in einer Femen-inspirierten Aktion nicht nur blank zog, sondern verbal scharf nachzog und die Prüderie, die sexuelle Doppelmoral und den Frauenhass der Islamisten scharf attackierte. Nach dieser Aktion wurde sie von Islamisten unterschiedlicher Couleur, u.a. den tunesischen Salafisten, mit dem Tod bedroht. Sie lebt seitdem im französischen Exil. Von Femen ist sie ausgetreten. Aber der Hass der patriarchalen Fundis ist ihr dennoch weiter sicher, wie der jüngste Angriff zeigt. „So eine“ darf damit nicht durchkommen.

Auf ein nicht ganz unbedeutendes Detail weist in Zusammenhang mit dem Überfall die taz hin, auch wenn sie diese Parallele nicht weiter verfolgt oder in einen entsprechenden Sinnzusammenhang stellt bzw. analysiert. Die kulturell mit Bedeutung aufgeladene Haartracht von Frauen, traditionell Symbol ihrer Stärke und Weiblichkeit in westlichen wie islamischen Kulturen gleichermaßen, wurde in derselben patriarchalen Logik der Demütigung auch nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzung Frankreichs durch Hitler-Deutschland an Frauen symbolisch öffentlichkeitswirksam als Abschreckung gegenüber einer körperlichen respektive sexuellen Selbstbestimmung von Frauen praktiziert. Damals wurde Frauen in Frankreich nach Abzug der Besatzer, die mit dem Besatzer durch Beischlaf „kollaboriert“ hatten, auch unter Zwang das Haupthaar abrasiert.

Die Wirkung einer solchen, symbolisch inszenierten Vergewaltigung ist nicht zu unterschätzen. Die Message lautet hier wie da: fügst du dich als „unsere“ Frau nicht in unser Wertesystem bzw. unsere Verfügungsgewalt, nehmen wir dir alles, was du als das dir Ureigenste betrachtest – deine Weiblichkeit, deine Würde, deinen Stolz. Wir brechen dich und dein Aufbegehren gegen die bestehende Geschlechterordnung.

Hierin zeigt sich auch die grundlegende Parallele aller patriarchalen Barbarei, gleich welcher kulturellen Prägung sie sich äußerlich artikuliert. Die grundlegende Spaltung in Heilige (die es zu „schützen“ gilt) und Hure (die quasi vogelfrei ist) ist ihnen allesamt gemein und wird im Spektrum von latenter, symbolischer bis hin zu offen brachialer Gewalt durchgesetzt, um die Herrschaft der Gruppe der Männer über „ihre“ Frauen durchzusetzen.