ISis noch normal?

Warum ‚ganz normale‘ Mädchen und junge Frauen den Weg in den sogenannten Islamischen Staat in Syrien und Irak wählen, um ihrem Leben einen vermeintlichen Sinn zu verleihen, ist nicht nur nicht klar, sondern erscheint vielen westlichen Beobachter_innen, zumal Feministinnen höchst irritierend. Ist doch allen, die nur die Tagespresse lesen oder per Rundfunk konsumieren klar, daß Frauen und Mädchen nicht viel mehr erwartet als die Rollen der wandelnden Sexsklavin, Haushälterin und/oder Gebär-Mutter durchgeknallter Jihadis und ihrer Weltermächtigungsphantasien.
Die Sozialwissenschaftlerinnen Erin Marie Saltman und Melanie Smith vom britischen Institute for Strategic Dialoge (ISD) gehen in ihrer gerade erschienenen Studie ‘Till Martyrdom Do Us Part’ Gender and the ISIS Phenomenon dieser Frage nach. Eines ist klar: Diese jungen Frauen und Mädchen sind mehr als nur „Jihadi-Bräute“, eine vereinfachte patriarchale Sichtweise, nach der Frauen sich ohne jedwede Gedanken oder eigene Interessen auf den Weg begeben, nur um einem Mann nachzufolgen, um Teil dessen Interessen zu werden, geschützt zu sein. So einfach ist es leider nicht. Diese jungen Verirrten sind aus eigenem Antrieb unterwegs, zumeist nach in Bürgerkriege verstrickete Gebiete in Syrien und Irak, die mittlerweile regional von IS-Jihadisten kontrolliert werden.

Jahrestag der Trauer und Wut

Seit gut einem Jahr sind die im Nordosten Nigerias von der islamistischen Terrormiliz verschleppten Schülerinnen verschwunden. Bis heute gibt es keine Spur, der Aufenthaltsort ist unklar, wie auch der neue Präsident Nigerias, Muhammadu Buhari, eingestehen musste. Klar scheint hingegen, daß ein Großteil der über 200 Mädchen vergewaltigt und zwangsverheiratet wurde sowie als sexuell ausgebeutete Sklavinnen der Boko-Haram-Milizionäre gehalten wird.
Die Vereinten Nationen stellen in ihrem aktuellen Bericht über den Einsatz sexueller Gewalt in Konflikten heraus, dass die Kriegstaktik islamistischer Kämpfer von Nigeria („Boko Haram“), über Somalia („al-Shaabab“) bis Syrien und Irak („ISIL“/“ISIS“ oder mittlerweile „IS“ – „Islamischer Staat“), sexualisierte Gewalt wie Entführung, Vergewaltigung, Zwangsverheiratung (=Vergewaltigung auf Dauer) und Frauenhandel/Zwangsprostitution („Sexsklavinnen“) quasi zum ‚Standardrepertoire‘ gehört, um die lokale Bevölkerung einzuschüchten und zu vertreiben.

In an interview with the UN News Centre, the envoy previewed the findings of the report, which also highlights the crimes committed by non-State actors such as the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL), Boko Haram and Al-Shaabab, including abducting, raping, and selling into slavery women and girls. These groups are also using sexual violence as a method to forcefully displace large numbers of people (…)

Zainab Hawa Bangura, Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in Konflikten, im Interview mit dem UN News Centre:

UN News Centre: And what are some of the trends you found this year? What’s new in the findings?

Zainab Hawa Bangura: The first and most important and difficult trend that we have experienced is that sexual violence is being used as a tactic of terror and this is because of the rise of extremists and terrorist groups. They move across countries, and are transnational and trans-regional in nature. This is very challenging for us to address. We’ve seen it in Mali. We’ve seen it in Nigeria with Boko Haram. We’ve seen it Somalia with Al-Shabaab and now in Yemen, Syria, and of course in Iraq.

[Quelle: http://www.un.org/apps/news/newsmakers.asp?NewsID=119]

Auch der jüngste Bericht von Amnesty International zur Situation von Mädchen und Frauen erzählt exemplarisch die Leidensgeschichte von rund 2.000 Mädchen und Frauen, die mittlerweile von islamistischen Fanatikern der Boko-Haram entführt, zumeist (gruppen-)vergewaltigt, zwangsverheiratet, aber auch zum Kämpfen gezwungen wurden.
[Quelle: https://www.amnesty.org/en/articles/blogs/2015/04/chibok-one-year-on-a-day-to-remember-all-boko-haram-s-victims/]

Und es ist kein Ende in Sicht.

Bezugnehmend auf manch zeitgenössische ‚linke‘ Sprachdebatte darüber, ob die Verwendung der – mittlerweile tatsächlich vielfach praktizierte – Rede von der Barbarei des weltweiten Islamismus von Mali bis Irak durch westliche Betrachter denn nicht typisch kolonialrassistisch sei, lautet die Antwort eindeutig: NEIN
„Barbarei“ in diesem Sinne verwendet bezeichnet einen Modus, ist die pointierte Bezeichnung für eine zutiefst reaktionäre, menschenverachtende Praxis, der universal – historisch, geographisch und in diversen kulturellen Kontexten – am Werk war und ist.

Was nun den islamistischen Terror diverser Milizionäre gegen Zivilist_innen angeht:

Islamisten – ob von al-Quaida(im Maghreb, Jemen oder sonstwo), „Islamischer Staat“, Boko Haram, al-Shaabab, scheißegal – sind Vergewaltiger. Das jahrelang wohlfeil in den Islamistenbart gegreinte Leid darüber, daß Assad „unsere Frauen und Kinder“ tötet, entpuppt sich nach mittlerweile vier Jahren post Arabischer Frühling als projektives Ventil, das dazu legimitieren soll, endlich selbst völlig ungehemmt gegen „die Ungläubigen“ schießen, vergewaltigen, morden und plündern zu dürfen. Islamisten sind Vergewaltiger, sind frauenverachtende geistig impotente Schwachmaten . Islamisten sind homophobe Arschlöcher und antisemitische Arschgeigen. Islamisten sind bigotte Moralapostel, die Vergewaltigung, Mord und Krieg nur solange hassen, solange sie nicht die Regeln bestimmen können, wann wo vergewaltigt, gemordet oder gegen wen Krieg geführt wird. Islamisten zerstören alles an Kultur, was ihrer primitiven Weltsicht und projektiven Weltwahrnehmung von schwarz-weiß/gut-böse entgeht, was der eigenen pervertierten Version von der allerallerreinsten Lehre widerspricht (siehe neuester ‚Fall‘: Auslösung des Menschheitsweltkulturerbes Nimrud). Vergleiche: Kommando Bücher verbrennen der deutschen Faschisten in der NS-Zeit.

Islamisten sind postmoderne Barbaren, da sie an die ursprünglichste Form der Barbarei – das Brandschatzen, Plündern, Vergewaltigen und Versklaven – anschließen und diese in der Jetztzeit praktizieren. Islamistische Milizen sind angelehnt an das, was sie praktizieren – ficken-schießen-vernichten-ficken-schießen-.. – gemäß der historischen ‚Tradition‘, die sie verkörpern indem sie sich in diese einreihen, zu bezeichnen als das, was sie dadurch sind: primitive Männerhorden im Modus patriarchaler Barbarei. Islamisten sind Faschisten.

Das war der 8. März 2015

.. eine lange, nein, eine richtig laaaange Demo, die vom Rosa-Luxemburg-Platz über den Alex rüber gen Brandenburger Tor machte – Kein Anfang und kein Ende in Sicht, so musses sein! Mit dabei waren viel Sonnenschein, gute Laune und schöne Begegnungen, viele Frauen, Lesben und Trans*menschen, solidarische Männer, und solche, die mal mehr mal weniger nervig waren (an all die „Klassenkämpferblock“-Jungs: laut gegrölt kommt nicht immer und unter allen Umständen gut an, besonders nicht, wenn kein erkennbarer Bezug zum Internationalen Frauenkampftag vorhanden ist!) ..

es ging mal wieder um’s Ganze, also die ganze Bäckerei … insbesondere:

patriarchale Verhältnisse überwinden
um die Überwindung patriarchaler Verhältnisse

my body my rights
den „Klassiker“ unter den Themen seit der 2. Welle..

my pussy my rules
Word!

sexism never on vacation
rhetorische Fragen, mehr so an uns selbst ++sigh++

feministinnen aller welt greet my sisters
internationalistische Bekenntnisse und Solidaritätsadressen

la� deine rechte nicht begrapschen
Patriarchat und Kapitalismus zusammendenken

Wenn religiöse Führer Klartext reden

.. ist das so herrlich aufklärend, weil es ihre Denke, insbesondere ihre menschenverachtende, misogyne (frauenverachtende) Ideologie so schön entlarvt.
Auf der Rückreise seiner Asien-Tour, erklärte Papst Franziskus, dass die Menschen sich nicht „wie die Kaninchen“ verhalten müssten, um „gute Katholiken“ zu sein. Gemeint war: nicht vermehren wie die Karnickel! Damit hat sich das „geistliche Oberhaupt“ der römisch-katholischen Sekte als Heuchler erster Klasse zu erkennen gegeben. Denn galt bislang die vatikanisch verordnete Doktrin, daß jede Schwangerschaft als ein „Geschenk Gottes“ anzunehmen sei – ob es sich dabei um Vergewaltigung oder den Abstieg ins soziale Elend handelte war noch nicht einmal zweitrangig relevant – und ergo Verhütung, Abtreibung und insbesondere die körperliche Selbstbestimmung der Frau wider die Natur seien, so schickt sich das Oberhaupt der katholischen Schäfchen nun dazu an, eine „individuelle Verantwortung“ zu predigen. Freilich trifft es wieder einmal insbesondere die Frauen doppelt hart. Denn wenn sich die Menschen schon wie die Karnickel vermehren, ist das letztlich doch Versagen der weiblichen Spezies (Bericht ARD tagesschau):

„Ich habe vor ein paar Monaten in einer Kirchengemeinde eine Frau gescholten, die mit dem achten Kind schwanger war. Sie hatte schon sieben, die per Kaiserschnitt geboren waren.“ Er habe die Frau gefragt, ob sie sieben Kinder zu Waisen machen wolle. „Das heißt, Gott herauszufordern. Das ist unverantwortlich“, so Franziskus. „Nein“, habe die Frau erwidert, sie vertraue auf Gott. Und der Papst erwiderte nach eigenen Angaben: „Schau, Gott gibt Dir die Mittel, aber Du musst verantwortlich sein.“

Galt die Frau an sich schon immer als sündige Verführerin, war doch ihre gerechte Strafe stets die, „unter Schmerzen“, wie es das Alte Testament schon vorsieht, zu gebären. Und zwar grenzenlos. Gemäß guter alter Kirchentradition hat sich die Frau dem Verlangen des Mannes zu beugen, das „Ganze“ über sich ergehen zu lassen. Denn ihr ist die Erbsünde – wie die „Wonne“ der Mutterschaft gleichermaßen, ob auferzwungen oder nicht. Verhütung dagegen galt bislang als pures Teufelszeug.

Scheint, daß die sozialen Verhältnisse, in denen Kinder aufzuwachsen gezwungen sind, insbesondere auf den Philipinen, wo sich sozial erzeugtes Leid und individuelles Elend so unmittelbar manifestieren, den Papst zu einer, wenngleich beschränkten, Einsicht verholfen haben. Armut und Kinderprostitution gehören zum Straßenbild. Unendlich viele Kinder in die Welt, in eine ungesicherte Existenz zu schmeißen muss also nicht unbedingt katholisch sein. Das ist in der Tat neu.

Wieviele Frauen werden wohl freiwillig achtmal schwanger? Eben. Gemäß guter patriarchaler Tradition gemäß gilt es nun allerdings nicht Mißstände, die körperliche und reproduktive Selbstbestimmung betreffend, anzuprangern, sondern das Opfer der systemisch propagierten Gewalt gegen die Selbstbestimmung nun aber obendrein noch mit Schuld zu beladen. Der Oberhirte „scholt“ die gezeichnete Frau also – und empörte sich obendrein ihrer „Verantwortungslosigkeit“: Wie könne sie auch ob der achten Risikoschwangerschaft (alle vorherigen per Kaiserschnitt entbunden) so verantworungslos sein, ihre sieben bisherigen Kinder durch die erneute Schwangerschaft dem Fanal des Waisen-Seins auszusetzen?! Einmal mehr zeigt die „christliche“ Tradition hier in ihrer Art, Frauen als Untermenschen mit defizitärem Moralbewusstein auszuweisen, ihr wahres Gesicht: Du bist die wilde Natur, ein Gefäß, eine bloße Gebär- und Versorgemutter – für die patriarchale Horde.

Und so bedient einmal mehr ein bekannter Mechanismus, der misogyne Totalausfall, Ressentiments gegen Frauen. Hatten diese bislang ihr „Schicksal“ still zu ertragen, so werden sie nun vor den Kadi der römisch-katholischen Scheinheiligkeit und Weltfremdheit gezogen, ihre gottlos-selbstsüchtige Verantwortungslosigkeit (denn klassisch: Sex = Schangerschaft) anklagend. Freilich schwingt darin einmal mehr die sexistische Konnotation von Frauen als sexuell-abartig (tierisch -> „Kaninchen“) und verderblich („verantwortungslos“/“unmoralisch“) mit. Dazu kommt die rassistische Konnotation: Ein weißer Papst wendet sich angewidert von „asiatischen“ Verhältnissen ab. Dabei sind Leid und Elend, insbesondere auch das zwangsreproduktive Elend von Frauen weltweit, zuallerst patriarchaler Gewaltkulturen, wie sie die christlich-katholische eine ist, geschuldet.

Wenn schon Fragen wie die nach der moralischen „Schuld“ aufgeworfen werden, so hätte gerade der misogyne Altherrenclub in Rom die Pflicht, sich selbst zu martern und/oder aufzulösen – oder für immer zu schweigen!

Was nun „die Mittel“ zur Verhütung seien, das freilich ließ der Oberhirte offen. Zuviel Aufkärung muß nun wirklich auch nicht sein. Nicht daß die Schäfchen, die den verbalen Ergüssen seiner Hochheiligkeiten noch Ehrerbietung erweisen, letztlich Gefallen finden an reproduktionsentkoppelter und damit im modernen Sinne freier (Hetero-) Sexualität finden! Der Untergang der knapp zweitausendjährigen Tradition der Abendlandautoritäten drohte..

je suis charlie

Die Gegen-/Reaktion schlägt zurück

Auch beim diesjährigen sogenannten „Marsch für das Leben“ haben christlich-fundamentalistische Gruppen wieder Tausende Anhänger_innen mobilisieren können, um ihr verqueres Dogma einer patriarchal-heterosexistischen Gesellschaftsordnung auf die Straßen Berlins zu tragen. Tendenz seit Jahren steigend.

Doch auch der Gegenprotest wird lauter, größer, vielfältiger. Neben bekannten Aktivist_innen und feministischen, queeren und linken Bündnissen haben auch neue kreative Gruppen ihren Protest gegen Fundamentalismus und Antifeminismus zum Ausdruck gebracht, so unter anderem die Aktionsgruppe „Holi Powder statt Holy Shit“, die die Demonstration der sogenannten „Lebensschützer“ mit „Holi Powder“ bewarf. Beim hinduistischen „Holi“-Fest in Indien ist es Tradition, sich und gegenseitig mit buntem Pulver zu bewerfen als Ausdruck der Lebensfreude.

So empowernd die teilnehmerzahlenmäßige Zunahme des Gegenprotests ist, so beunruhigend ist hingegen nicht nur die bloße Teilnehmer_innenzahl dieser reaktionären Show, sondern gerade auch die Breite ihrer gesellschaftlichen Verankerung. So hat beim diesjährigen Marsch unter anderem der Chef der Berliner LSU (Lesben und Schwule in der Union), Jürgen Daenens selbstbewusst, ja freudestrahlend-kraftstrotzdend mit weißem Kreuz teilgenommen. Eigentlich doch paradox, daß ein Schwuler, dem die Organisator_innen des Marsches ob seiner sexuellen Identität sicher den unmittelbaren Weg in die „Hölle“ versprechen dürften, sich mit dieser Veranstaltung und seinen Zielen identifiziert. Satirisch-knackig dazu unter anderem das ZDF-Satiremagazin der „heute show“.

Der Fall einer Identifikation mit dem (gesellschaftlichen) Aggressor? Bloß naiv? Immerhin ging es Daenens nach eigenem Bekunden um die Vermeidung künftiger Embryonen-Selektion nach sexueller Orientierung. Doch so blöd kann nicht mal ein Unions-Funktionär sein, um anzunehmen, unbemerkt seinen misogynen (frauenverachtenden), patriarchalsexistischen Auswurf noch unter dem Label eines vermeintlich humanistisch begründeten „Lebensschutzes“ – mit dem er qua körperlich-reproduktiver biologischer Ausstattung ohnehin nichts unmittelbar zu schaffen hat – verkaufen und damit ungestraft wahlpolitisch am rechten Rand punkten zu können.

Und so ganz paradox ist die Identifikation von sexistischen Arschlöchern, die zufällig schwul sind, mit dem Antifeminismus nun auch wieder nicht, wie es ein sehr lesenswerter Kommentar von SIEGESSÄULE-Kolumnist Dirk Ludigs über den angepassten schwulen Spießer auf den Punkt bringt.

Nein, lieber Neo-Con Daenen, du bist nicht das Opfer einer Medienkampagne oder wurdest gar falsch verstanden. Du bist dir mit deiner antiemanzipatorischen Einstellung und Partei selbst das Problem!

Homosexuelle Sexisten sind genauso bigott wie homophobe Katholenpriester, die sich an kleinen Jungs vergreifen. Werdet erwachsen und stellt euch gegen patriarchale Selbstentfremdung und setzt euch für selbstbestimmte Lebens- und Liebenswelten ein!

Freundlichst,
antipa

Same procedure as every year?!?

What the fuck?! – genau, es ist wieder so weit: Wie jedes Jahr treffen auch dieses Jahr wieder die sogenannten Lebenschützer_innen in Berlin ein um ein vermeintliches Grundrecht des Patriarchats zu schützen – den Zugriff über das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper, ihre Reproduktionsfähigkeit.
Wie jedes Jahr werden Evangelikale und Katholen in Sonntagsmessentracht Hand in Hand mit Nationalisten und anderen Reaktionären marschieren, Behinderte und Kinder mit Schildern à la „Danke Mami, dass ich leben darf“ auf dem Rücken im Schlepptau.
Diese widerliche „Marsch für das Leben“-Show zu blockieren haben sich dieses Jahr verschiedene Bündnisse zum Ziel gesetzt. Denn der patriarchal-sexistische, nationalistische Backlash zieht eurpaweit seine Kreise und das mit steigender Teilnehmer_innen-Zahl!
Dem gilt es breiten Widerstand entgegen zu setzen – morgen, Sa., 20.09.2014
ab 11:30 Uhr U-Kochstr. Auftaktkundgebung radikal-linker Gruppen, Zusammenhänge und Aktivist_innen
gen Bundeskanzleramt, wo die sog. Lebensschützer_innen ihre Auftaktkundgebung abhalten
Stören * Blockieren
ab 13:00 Uhr Kundgebungen des Bündisses für sexuelle Selbstbestimmung am Platz des 18. März / Brandenburger Tor

Feministin Amina Sboui von Islamistenmob attackiert

Die tunesische Feministin Amina Sboui wurde von einem Mob unbekannter offenbar islamistisch-motivierter Männer attackiert als sie sich in Paris – wo sie mittlerweile lebt und studiert – auf dem Heimweg befand. Zuvor wurde sie von den Attackierern gezwungen, aus der Metro auszusteigen. Wie sie selbst in ihrem Facebook-Account berichtet, hätten die Islamisten ihr die Haare und Augenbrauen unter Gewaltanwendung abrasiert, sie dabei als „dreckige Hure“ („sale pute“) beschimpft und ihr gedroht, sie gruppenzuvergewaltigen (frz. „tonte“). Die ihr „von Allah gegebene Schönheit“ hätte sie „nicht verdient“. Hier der Wortlaut ihres Postings nach dem Überfall:

Rectification: a 6h15 du mat place de Clichy 5 individus ont commencés à m‘insulter ils m‘ont obligée de sortir du métro , appeler des amis qui était avec moi pour leur dire que je suis bien arrivée chez moi ! dans la rue ils m‘attrape je crie , et personne n‘est arrêtée j‘avais pas de batterie pour appeler les flics ! ils m‘ont rasée les sourcils les cheveux on me disant que je mérite pas la beauté que Allah m‘a donnée , ils m‘ont dis sale pute , on va te violer et Allah va nous remercier pour ça ! et là j‘ai commencée à leur supplier et leur dire que je redeviens musulmane j‘ai lis le Coran pour qu‘ils me lâche j‘ai pas encore déposée plainte mais je vais le faire toute à l‘heure ! encore en 2014 ça ce passe et en France , j‘arrive pas encore à croire
je vous tiens au courant de ce qui va se passer au commissariat — hundeelend.

Amina Sboui aka Amina Tyler, hatte die salafistisch-inspirierte Re-Islamisierung der tunesischen Gesellschaft nach der Revolution 2011 unter der Ennahda-Partei, scharf attackiert, indem sie als Frau auf das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frauen rekurrierte, und in einer Femen-inspirierten Aktion nicht nur blank zog, sondern verbal scharf nachzog und die Prüderie, die sexuelle Doppelmoral und den Frauenhass der Islamisten scharf attackierte. Nach dieser Aktion wurde sie von Islamisten unterschiedlicher Couleur, u.a. den tunesischen Salafisten, mit dem Tod bedroht. Sie lebt seitdem im französischen Exil. Von Femen ist sie ausgetreten. Aber der Hass der patriarchalen Fundis ist ihr dennoch weiter sicher, wie der jüngste Angriff zeigt. „So eine“ darf damit nicht durchkommen.

Auf ein nicht ganz unbedeutendes Detail weist in Zusammenhang mit dem Überfall die taz hin, auch wenn sie diese Parallele nicht weiter verfolgt oder in einen entsprechenden Sinnzusammenhang stellt bzw. analysiert. Die kulturell mit Bedeutung aufgeladene Haartracht von Frauen, traditionell Symbol ihrer Stärke und Weiblichkeit in westlichen wie islamischen Kulturen gleichermaßen, wurde in derselben patriarchalen Logik der Demütigung auch nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzung Frankreichs durch Hitler-Deutschland an Frauen symbolisch öffentlichkeitswirksam als Abschreckung gegenüber einer körperlichen respektive sexuellen Selbstbestimmung von Frauen praktiziert. Damals wurde Frauen in Frankreich nach Abzug der Besatzer, die mit dem Besatzer durch Beischlaf „kollaboriert“ hatten, auch unter Zwang das Haupthaar abrasiert.

Die Wirkung einer solchen, symbolisch inszenierten Vergewaltigung ist nicht zu unterschätzen. Die Message lautet hier wie da: fügst du dich als „unsere“ Frau nicht in unser Wertesystem bzw. unsere Verfügungsgewalt, nehmen wir dir alles, was du als das dir Ureigenste betrachtest – deine Weiblichkeit, deine Würde, deinen Stolz. Wir brechen dich und dein Aufbegehren gegen die bestehende Geschlechterordnung.

Hierin zeigt sich auch die grundlegende Parallele aller patriarchalen Barbarei, gleich welcher kulturellen Prägung sie sich äußerlich artikuliert. Die grundlegende Spaltung in Heilige (die es zu „schützen“ gilt) und Hure (die quasi vogelfrei ist) ist ihnen allesamt gemein und wird im Spektrum von latenter, symbolischer bis hin zu offen brachialer Gewalt durchgesetzt, um die Herrschaft der Gruppe der Männer über „ihre“ Frauen durchzusetzen.

Vulven für den guten Zweck

Im unermüdlichen Einsatz für Aufklärung zu Quellen der weiblichen Lust, für selbstbestimmte Sexualität insbesondere von Frauen_Lesben und Trans-Personen lancierte Dr. Laura Méritt, Sexpertin und Kommunkationswissenschaftlerin, eine eigene Studie, die patriarchal-entfremdeten Schönheitsvorstellungen zur verordneten Norm-Ästhetik der weiblichen äußeren Sexualorgane entgegenwirken will:

Auf sexclusivitäten findet ihr den Link zur Umfrage (Direktlink) zum individuellen Pussy-Profil.

Alle Vulven und Mösen sind individuell verschieden, schön, anregend, erregend – aufregend! Vermeintliche Normlängen von Charme-Lippen sind pure Erfindung. Vermeintliche Abweichungen der Klitoris-Größe von einer willkürlich gesetzten Normgröße werden standardmäßig bereits bei weiblichen Neugeborenen durch Mediziner_innen „korrigiert“.
Schluß mit der symbolischen Kastration individuell-weiblicher Vielfalt des „da unten“!

Seit Jahren versuchen „Schönheits-“Chirurgen, einen angeblichen Trend zur operativen Korrektur der eigenen Labien auch in Europa zu forcieren, wie er in den USA beispielsweise schon seit längerem Realität ist. Dem entgegen setzt die Umfrage eine empirische Erforschung der Realitäten weiblicher Körperlichkeit.

antipa supportet diese Aktion der Erforschung von weiblicher Körper-, Ausdrucks- und Begehrensvielfalt – gegen die Normierung, Passivierung und entfremdenden Objektivierung weiblicher Körper!

… morden mit in aller Welt..

Tjaja – „deutsche Waffen, deutsches Geld..!“, der Spruch ist bekannt.
Und gemäß dem gestern offiziell vom Bundeskabinett verabschiedeten Rüstungsexportbericht des Jahres 2013 (für das Vorjahr 2012) geschieht dies in einem Umfang von sagenhaften 5,8 Mrd. Euro. Die Rekordsumme für die Exportgenehmigung von Gütern für die globale Tötungsmaschinerie bedeutet gegenüber dem Vorjahr (2011: 4,7 Mrd. Euro) des Berichts sogar noch einen Anstieg um 1,1 Mrd. Euro.

5,8 Mrd., die nicht nur hätten sinnvoller für Bildung, Soziales und Infrastruktur eingesetzt werden können. Darüber hinaus galt es auch wieder einmal gute deutsche Tradition zu pflegen und jenseits allen Menschenrechts- und Geschlechtergerechtigkeitspalavers in Parlament und Politik dem Primat der Wirtschaft und insbesondere dem traditionell patriarchalen unter den kapitalistischen Produktionssektoren – der Rüstungsindustrie – den Weg von im Beamtendeutsch so bezeichneten „nicht-tarifären Handelshemmnissen“ frei zu machen. Rüstungsgüter müssen für den Export genehmigt werden – eine reine Formsache gegenüber allen menschenrechtlichen und sicherheitspolitisch nachhaltige Überlegungen. Zwei Drittel (!) der Rüstungsexporte gingen in sogenannte Drittstaaten außerhalb von EU/NATO. Das bedeutet regelmäßig: in instabile, Kriegs- und Krisen-Regionen (v.a. in Nahost) und in zutiefst menschenverachtende Diktaturen und autokratische Regime, was der Bericht immerhin nicht einmal zu verschleiern versucht.

Die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen unterscheidet nach Einzel- und Sammelgenehmigungen. So heißt es u.a. im Abschnitt III (Genehmigungen zur Ausfuhr von Rüstungsgütern sowie Kriegswaffenausfuhren) 1 d) des Berichts zu den „20 wichtigsten Bestimmungsländer für erteilte Einzelgenehmigungen“:

Die Rangfolge verändert sich von Jahr zu Jahr. 2012 waren die zehn größten Empfänger: Saudi-Arabien, USA, Algerien, Vereinigtes Königreich, Kanada, Frankreich, Schweiz, Korea (Rep.), Singapur und Vereinigte Arabische Emirate.
[Hervorhebungen v. d. Verf.]

Zu den Abnehmerländern deutschen Traditionshandwerks aus Stahlmanufakturen wie beispielsweise der Rheinmetall AG – den meisten als Automobilzulieferer und Maschinenbauer wohl eher bekannt als unter seinem expandierendem Geschäftszweig der Rüstungsproduktion – gehört so an prominenter Stelle also so eine illustre Kundschaft wie beispielsweise Saudi-Arabien. Dieses klerikal-faschistische Regime zeichnet verantwortlich für die (bloß mehr finanzielle?) Ausstattung islamistischer Gotteskrieger für den Einsatz im regional benachbarten Ausland (Syrien, Irak, Afghanistan, und der al-Kaida im Maghreb) sowie in- und ausländische (Katar 2011) Aufstandniederschlagung friedlicher Proteste und verantwortet die Konstitution und Aufrechterhaltung eines Gesellschaftssystems der absoluten Geschlechterappartheid und massiven Frauenunterdrückung. Klar, dass man dort Waffen gut gebrauchen kann.

Ach, was soll dieser Zynismus!? Immerhin bedeutete eine Regulierung oder gar De-Industrialisierung im Rüstungssektor doch einen massiven Arbeitsplatzverlust. Bitte? Wenn das alles ist: Die paar Hanseln, die dort (noch) arbeiten müssen um ihr Auskommen zu gewährleisten wären vielleicht gar nicht soo unglücklich, würde man ihnen entsprechend Arbeitsplätze umschichten in den Care-Sektor. Hier nämlich fehlen Kita-Betreuer_innen, Grundschullehrer_innen, Ärzt_innen, Gesundheits- und Pflegekräfte. Allemal prestigeträchtigere Beschäftigungen, denn sie dienen nicht der Vernichtung menschlicher Existenz sondern tragen mit gutem Gewissen zum Fortbestand der Zivilgesellschaft bei.

Aber das geht doch nicht? Und außerdem: das war doch die andere, die alte (schwarz-gelbe) Bundesregierung, die für so einen menschenrechtswidrigen Gewähr-Stil verantwortlich ist, echt jetzt! Sigmar Gabriel (SPD) verweigert entsprechend die Präsentation des Berichts der Vorgängerregierung und Parteigenosse Rainer Arnold versichert rührig, die jetzige Bundesregierung werde „sich entsprechend dem Koalitionsvertrag restriktiver verhalten beim Export von Rüstungsgütern in Drittstaaten“. Noch restriktiver also. Bloß – Papier ist geduldig. So zieht sich die Betonung einer „restriktiven“ Handhabung und Gewährleistungspolitik für Rüstungsexporte wie ein Rattenschwanz schon ungezählte Male im ca. 2-seitigen Turnus durch das bisherige Dokument (vgl. Eigenversuch: strg+f -> „restriktiv“-Eingabe, Return) und auch die aktuelle Regierung verspricht beispielsweise explizit:

Die Bundesregierung wird auch in Zukunft Kleinwaffenexporte in Entwicklungsländer besonders restriktiv handhaben.

(S. 28)

Scheiß auf Kleinwaffen! Was der deutsche Exportweltmeister braucht sind ohnehin prestigeträchtige Exporte von Leopard-2-Panzern und anderem schweren Gerät!
Ganz in der patriarchalen Ficken- und Schießen-Logik ist Mann und Nation nur da und in voller Pracht, wo es peng-peng macht. Verunsicherung pur in der Rüstungsindustrie und beim Koalitionspartner CDU/CSU. So greint auch letztere in Person eines Roderich Kiesewetter gleich ins Mic der Tagesschau-Reporter_in, dass

die Konsequenzen für die Industrie [die ganze??] wäre, dass viele internationale Ausschreibungen ohne deutsche Beteiligung erfolgen würden und letztlich die deutsche Rüstungsindustrie keine Perspektive mehr in Deutschland hätte

Mann stelle sich das vor! Keine Panzer, keine Raketen, kein bumm-bumm, knattattatta mehr! Nie wieder Restriktion – oder wer will dafür verantwortlich zeichnen, wenn der Deutsche Michel im internationalen Schwanzvergleich des Rüstungs- und Militärschauens recht kastriert den Kürzeren zieht? Eben.